Cpk, Ppk und Co.: Prozesskennzahlen richtig berechnen & interpretieren

Geschrieben von Amadeus Lederle | 5.6.2026

Cpk 1,67. Diese Zahl steht in vielen OEM-Lastenheften als Mindestanforderung für qualitätskritische Merkmale. Aber was bedeutet sie konkret? Wie viele fehlerhafte Teile entsprechen einem Cpk von 1,67? Und was ist der Unterschied zu Ppk 1,67 – zwei Zahlen, die identisch aussehen, aber fundamental Unterschiedliches aussagen?

Prozesskennzahlen sind das Fundament der Statistischen Prozesskontrolle (SPC). Sie beantworten eine zentrale Frage: Ist mein Prozess fähig, die geforderten Toleranzen zuverlässig einzuhalten – und wenn ja, mit welcher Sicherheitsmarge? Ohne diese Kennzahlen ist Qualitätssicherung Raten. Mit ihnen ist sie messbar.

Dieser Artikel erklärt alle relevanten Prozesskennzahlen (Cp, Cpk, Pp, Ppk, Cpm) mit Formeln, Berechnungsbeispielen und der entscheidenden Frage: Wann welche Kennzahl – und wie hoch muss sie sein?

DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE
  • Cp misst das Verhältnis zwischen Toleranzbreite und Prozessstreuung – aber ohne zu berücksichtigen, ob der Prozess zentriert ist. Ein hoher Cp mit niedrigem Cpk bedeutet: Der Prozess könnte gut sein, ist aber schief eingestellt.
  • Cpk misst die kleinste Sicherheitsmarge zwischen Prozessmittelpunkt und der nächsten Toleranzgrenze, normiert auf die Streuung. Er ist die entscheidende Kennzahl für die Frage: 'Produziere ich gerade gute Teile?'
  • Der Unterschied zwischen Cp/Cpk und Pp/Ppk: Cp und Cpk verwenden die kurzfristige Prozessstreuung (σ̂, geschätzt aus Untergruppen). Pp und Ppk verwenden die langfristige Gesamtstreuung (s, aus allen Messwerten). Pp/Ppk ist immer ≤ Cp/Cpk bei stabilem Prozess.
  • IATF 16949 fordert für Serienproduktion typisch Cpk ≥ 1,33, für sicherheitsrelevante Merkmale ≥ 1,67. Diese Werte entsprechen 64 ppm und 0,6 ppm Ausschusswahrscheinlichkeit.
KURZ ZUSAMMENGEFASST
  • Cp sagt: Könnte der Prozess gut sein? Cpk sagt: Ist der Prozess gerade gut? Beides braucht man. Nur Cp: blindes Vertrauen. Nur Cpk: kein Verbesserungspotenzial erkennbar.
  • Pp und Ppk sind keine schlechteren Kennzahlen als Cp und Cpk – sie messen etwas anderes. Pp/Ppk zeigen die tatsächliche Langzeitperformance. Cp/Cpk zeigen das kurzfristige Potential.
  • Ein Cpk ohne Stabilitätsnachweis (Regelkarte) ist mathematisch korrekt aber inhaltlich wertlos. Prozesskennzahlen gelten nur für stabile, normalverteilte Prozesse.

INHALT DIESES ARTIKELS

  1. Grundlagen: Was Prozesskennzahlen messen
  2. Die fünf Kennzahlen: Cp, Cpk, Pp, Ppk, Cpm im Detail
  3. Berechnungsbeispiele: Schritt für Schritt
  4. Ampelklassifikation: Was welcher Cpk-Wert bedeutet
  5. Cp/Cpk-Kombinationen richtig interpretieren
  6. Norm-Anforderungen: Was IATF, VDA und OEMs fordern
  7. Häufige Fehler bei Prozesskennzahlen und wie man sie vermeidet
  8. Prozesskennzahlen automatisch und in Echtzeit
  9. Häufig gestellte Fragen

Grundlagen: Was Prozesskennzahlen messen

Prozesskennzahlen antworten auf eine statistische Frage: Wie gut passt die Verteilung meiner Messwerte in die vorgegebene Toleranz? Dafür braucht man zwei Informationen: die Toleranzgrenzen (USG = untere Spezifikationsgrenze, OSG = obere Spezifikationsgrenze) und die Prozessverteilung (Mittelwert µ und Streuung σ).

 

Die vier Grundbegriffe

  • OSG (Obere Spezifikationsgrenze): Maximum-Toleranzwert. Messwerte darüber = Ausschuss oder Nacharbeit.
  • USG (Untere Spezifikationsgrenze): Minimum-Toleranzwert. Messwerte darunter = Ausschuss oder Nacharbeit.
  • T (Toleranzbreite): OSG − USG. Je breiter die Toleranz, desto leichter zu erfüllen.
  • σ (Sigma, Prozessstreuung): Standardabweichung der Messwerte. Je kleiner, desto zuverlässiger der Prozess.

DIE GRUNDIDEE ALLER PROZESSKENNZAHLEN

Alle Prozesskennzahlen vergleichen das Verhältnis von Toleranzbreite zu Prozessstreuung.

Vereinfacht: Kennzahl = Toleranzbreite / (6 × σ).

Je größer dieser Quotient, desto mehr Spielraum hat der Prozess gegenüber den Toleranzgrenzen.

Bei Cpk = 1,0 liegen die ±3σ-Grenzen des Prozesses genau auf den Toleranzgrenzen. Das entspricht 2.700 ppm Ausschuss bei einem zentrierten Prozess.

Bei Cpk = 1,33 liegen die ±4σ-Grenzen auf den Toleranzgrenzen. Das entspricht 64 ppm Ausschuss.

Bei Cpk = 1,67 liegen die ±5σ-Grenzen auf den Toleranzgrenzen. Das entspricht 0,6 ppm Ausschuss.

 

Cpk 1,0

= 2.700 ppm Ausschuss (0,27 %)

bei zentriertem, stabilen Prozess

Cpk 1,33

= 64 ppm Ausschuss (0,0064 %)

IATF Serienproduktion Mindest-Cpk

Cpk 1,67

= 0,6 ppm Ausschuss (6 × 10⁻⁵ %)

IATF Safety-Merkmale Mindest-Cpk

Cpk 2,0

= 0,002 ppm – Six Sigma-Niveau

Motorola / Six Sigma Standard

 

Die fünf Kennzahlen im Detail

Fünf Kennzahlen decken alle relevanten Aspekte der Prozessfähigkeitsanalyse ab. Jede beantwortet eine leicht andere Frage – und jede wird in einem anderen Kontext eingesetzt.

Cp Potential-Kennzahl
Formel Cp = (OSG − USG) / (6 × σ̂)
Was er misst Verhältnis zwischen Toleranzbreite und kurzfristiger Prozessstreuung. Berücksichtigt nicht, ob der Prozess zentriert ist.
Verwenden wenn Als erster Überblick über das Prozess-Potential. Immer zusammen mit Cpk betrachten.
Nicht verwenden wenn Prozess nicht zentriert ist: Cp kann gut sein, obwohl viele Teile außerhalb der Toleranz liegen.
Praxisbeispiel T = 0,5 mm, σ̂ = 0,05 mm → Cp = 1,67. Gutes Potential.
Cpk Performance-Kennzahl
Formel Cpk = min[(OSG − µ) / (3σ̂), (µ − USG) / (3σ̂)]
Was er misst Kleinster Abstand zwischen Prozessmittelpunkt und nächster Toleranzgrenze, normiert auf 3σ̂. Berücksichtigt Zentrierung.
Verwenden wenn Als Haupt-Kennzahl für die aktuelle Prozessleistung. Wird von IATF, VDA und OEMs gefordert.
Nicht verwenden wenn Prozess instabil ist – Cpk ist nur für stabile, normalverteilte Prozesse aussagekräftig.
Praxisbeispiel µ = 10,15 mm, USG = 9,8, OSG = 10,5, σ̂ = 0,05 → Cpk = 2,33. Exzellent.
Pp Langzeit-Kennzahl
Formel Pp = (OSG − USG) / (6 × s)
Was er misst Wie Cp, aber mit langfristiger Gesamtstreuung s (aus allen Einzelmesswerten). Zeigt die tatsächliche Langzeitperformance.
Verwenden wenn Nach PPAP/EMPB, um die Gesamtperformance über alle Einflussfaktoren zu bewerten.
Nicht verwenden wenn Als Kurzzeitkennzahl während der laufenden Produktion – dafür ist Cpk besser geeignet.
Praxisbeispiel T = 0,5 mm, s = 0,07 mm → Pp = 1,19. Schlechter als Cp wegen Langzeiteffekten.
Ppk Langzeit-Performance
Formel Ppk = min[(OSG − µ) / (3s), (µ − USG) / (3s)]
Was er misst Wie Cpk, aber mit langfristiger Gesamtstreuung s. Zeigt Langzeitperformance unter allen Einflussfaktoren (Chargen, Schichten, Werkzeugwechsel).
Verwenden wenn Nach PPAP/EMPB. Vergleich mit Cpk: wenn Ppk ≪ Cpk, gibt es systematische Langzeiteffekte.
Nicht verwenden wenn Als Echtzeitkennzahl – Ppk wird retrospektiv aus einem längeren Datensatz berechnet.
Praxisbeispiel Ppk = 0,98 bei Cpk = 1,52 → Schicht-/Werkzeugwechsel-Effekte dominieren.
Cpm Robustheit-Kennzahl
Formel Cpm = (OSG − USG) / (6 × √(σ² + (µ − Zielwert)²))
Was er misst Erweitert Cpk um Abweichung des Prozessmittelpunkts vom Nominalwert. Bestraft Dezentrierung stärker als Cpk.
Verwenden wenn Nominalwert im Mittelpunkt der Toleranz liegt und Dezentrierung besonders unerwünscht ist (z. B. bei Passungen).
Nicht verwenden wenn Kein klarer Nominalwert definiert ist oder die Toleranz asymmetrisch ist.
Praxisbeispiel µ = 10,05 mm, Nominal = 10,0, USG = 9,8, OSG = 10,5, σ = 0,05 → Cpm berücksichtigt die 0,05 mm-Abweichung vom Nominal.

 

Berechnungsbeispiele: Schritt für Schritt

Abstrakte Formeln werden erst verständlich durch konkrete Zahlen. Die folgenden Beispiele zeigen vollständige Berechnungen für typische Fertigungsszenarien.

Berechnungsbeispiel: Cpk – Schraubmoment
Montageplatz, Drehmoment-Vorgabe 25 Nm ± 3 Nm. Messung von 50 Verschraubungen in 5 Untergruppen à 10.
# Berechnung Ergebnis
1 Daten erfassen
OSG = 28 Nm, USG = 22 Nm, µ = 25,4 Nm
Toleranzbreite T = 6 Nm
2 Kurzzeit-σ̂ berechnen
R̄ = 1,2 Nm → σ̂ = R̄/d₂ = 1,2/3,078
σ̂ = 0,390 Nm
3 Cp berechnen
(28 − 22) / (6 × 0,390) = 6 / 2,340
Cp = 2,56
4 Cpk berechnen
min[(28−25,4)/(3×0,390), (25,4−22)/(3×0,390)]
= min[2,22; 2,91]
Cpk = 2,22
Ergebnis: Cpk = 2,22 ✓ Exzellent
Interpretation: Exzellenter Prozess. Leichte Dezentrierung Richtung OSG (Cp > Cpk). Nachsteuerung ggf. sinnvoll, um Cp = Cpk zu erreichen.
Berechnungsbeispiel: Ppk – Bohrungsdurchmesser nach PPAP
Pilotproduktion, 125 Messwerte über 5 Schichten. Bohrung Ø 12H7 (12,000–12,018 mm).
# Berechnung Ergebnis
1 Daten erfassen
OSG = 12,018 mm, USG = 12,000 mm, µ = 12,009 mm
125 Messwerte, 5 Schichten
2 Gesamt-s berechnen
Standardabweichung aus allen 125 Einzelwerten
(inkl. Schichteffekte)
s = 0,0035 mm
3 Pp berechnen
0,018 / (6 × 0,0035) = 0,018 / 0,021
Pp = 0,857
4 Ppk berechnen
min[(12,018−12,009)/(3×0,0035), (12,009−12,000)/(3×0,0035)]
= min[0,857; 0,857]
Ppk = 0,857
Ergebnis: Ppk = 0,857 ✗ Nicht fähig (< 1,0)
Interpretation: Nicht fähig (< 1,0). Trotz guter Zentrierung zu viel Streuung – wahrscheinlich Schicht- oder Werkzeugeffekte. Ursachenanalyse erforderlich.

 


Ampelklassifikation: Was welcher Cpk-Wert bedeutet

Prozesskennzahlen bekommen ihre Bedeutung erst durch Referenzwerte. Die folgende Ampelklassifikation zeigt, wie Cpk- und Ppk-Werte in der Fertigungspraxis bewertet werden – abgestimmt auf die IATF 16949 und VDA-Anforderungen.

Klasse

Wert von

Wert bis

Bewertung

PPM-Anteil

Maßnahme

Klasse A

≥ 2,0

Exzellent – Six-Sigma-Niveau

< 0,002

Keine Maßnahme nötig. Prozesskontrolle reduzierbar.

Klasse B

1,67

< 2,0

Sehr gut – Safety-Merkmale erfüllt

< 0,6

Maintain. Regelmäßige Cpk-Überprüfung. IATF Safety-Anforderung erfüllt.

Klasse C

1,33

< 1,67

Gut – Serienproduktion erfüllt

< 64

Akzeptiert. Kontinuierliche Verbesserung anstreben. IATF-Serienmindest erfüllt.

Klasse D

1,0

< 1,33

Bedingt fähig – Überwachung nötig

< 2.700

100%-Prüfung oder erhöhte Prüffrequenz. Verbesserungsmaßnahme einleiten.

Klasse E

< 1,0

Nicht fähig – sofortiger Handlungsbedarf

> 2.700

Produktion stoppen oder 100%-Prüfung. Ursachenanalyse (8D). Prozessverbesserung.


Cp/Cpk-Kombinationen richtig interpretieren

Der Vergleich von Cp und Cpk liefert mehr Informationen als jede Kennzahl allein. Die folgende Matrix zeigt die wichtigsten Kombinationen und was sie über den Prozesszustand aussagen.

Cp

Cpk

Bedeutung

Typische Ursache

Maßnahme

2,0

2,0

Perfekter, zentrierter Prozess mit exzellenter Fähigkeit

Kein Problem – Idealzustand

Maintain. Prüfintervall ggf. ausweiten.

1,67

1,67

Sehr guter, zentrierter Prozess – Safety-Anforderung erfüllt

Prozess gut eingestellt und stabil

IATF Safety-Merkmal: keine Maßnahme nötig.

2,0

0,8

Prozess hätte genug Potential, ist aber stark dezentriert

Werkzeugverschleiß, Einstellfehler, thermische Drift

Prozess neu einstellen (Mittelwert verschieben). Grund der Dezentrierung analysieren.

0,8

0,8

Prozess hat zu viel Streuung – auch zentriert nicht fähig

Maschine zu ungenau, Material-Varianz zu hoch, Messsystem-Fehler

Streuungsreduktion: MSA durchführen, Maschinenüberholung, SPC aktivieren.

1,5

0,5

Hohe Streuung UND starke Dezentrierung gleichzeitig

Komplex: instabiler Prozess mit mehreren Störgrößen

100%-Prüfung sofort. Regelkarte zur Prozessstabilisierung. Ursachen systematisch trennen.

1,33

1,25

Leichte Dezentrierung bei sonst gutem Prozess

Kleine Einstellabweichung oder leichter Werkzeugverschleiß

Prozess nachjustieren. Einstellwert überprüfen. Cp nähert sich Cpk an.

Cpk ohne Regelkarte ist wie Körpertemperatur ohne Fieberthermometer – du kennst den Wert, aber nicht die Tendenz. Prozesskennzahlen und SPC gehören zusammen.

— Amadeus Lederle CTE, CSP Intelligence GmbH

 

 

Norm-Anforderungen: Was IATF, VDA und OEMs fordern

Prozesskennzahlen sind in der Automotive-Industrie keine akademische Übung – sie sind vertragliche Anforderungen, die bei PPAP, EMPB und Serienüberwachung nachzuweisen sind. Die folgende Matrix zeigt die wichtigsten Anforderungen.

Norm / OEM

Mindest-Cpk Anlauf

Mindest-Cpk Serie

Mindest-Cpk Safety

Bemerkung

IATF 16949 / VDA allgemein

1,67

1,33

1,67

Basis-Anforderung. Cpk aus Untergruppen (kurzfristig). Bei Erstmuster mind. 30 Messwerte.

BMW Group

1,67

1,33

1,67

BMW SQA: zusätzlich Ppk ≥ 1,33 für Langzeitstabilität-Nachweis nach PPAP.

Volkswagen / VDA

1,67

1,33

1,67

VDA Band 4 / Formel-Q: Ppk ≥ 1,33 nach EMPB. Sondermerkmale: Cpk ≥ 1,67.

Mercedes-Benz

1,67

1,33

1,67

MBDC: Nachweis für jedes Merkmal im Control Plan. Monatsberichte je Sondermerkmal.

Ford (AIAG PPAP)

1,67

1,67

1,67

Ford verlangt Cpk ≥ 1,67 ab Serienanlauf für alle KPCs. Keine Ausnahmen ohne Freigabe.

Stellantis (ANPQP)

1,67

1,33

1,67

ANPQP Level C: vollständiger Fähigkeitsnachweis. Reaktionsplan bei Cpk < 1,33 vorgeschrieben.

Bosch intern

2,0

1,67

2,0

Bosch als Tier-1: eigene Anforderungen oft strenger als OEM-Vorgaben. Cpk ≥ 2,0 für neue Linien.

ISO 9001 (allgemein)

1,33

Keine direkte Cpk-Vorgabe, aber Prozesskontrolle gefordert. Cpk 1,33 als Industriestandard.

Häufige Fehler bei Prozesskennzahlen

Prozesskennzahlen werden häufig berechnet – aber noch häufiger falsch interpretiert oder unter falschen Voraussetzungen angewendet. Die folgende Liste zeigt die kritischsten Fehler aus der Praxis.

Fehler 1: Cpk ohne Stabilitätsprüfung

Ein Cpk-Wert ist nur dann aussagekräftig, wenn der Prozess stabil ist. Stabilität bedeutet: Der Prozess zeigt nur zufällige Variation, keine systematischen Muster, Trends oder Sprünge. Ohne Stabilitätsprüfung (z.B. Shewhart-Regelkarte) kann ein guter Cpk eine instabile Situation verschleiern – und ein schlechter Cpk ein temporäres Problem übergewichten.

Fehler 2: Nicht-normalverteilte Daten

Alle beschriebenen Kennzahlen setzen Normalverteilung voraus. Bei deutlich nicht-normalverteilten Daten (z.B. bimodale Verteilungen, rechtsschiefe Messungen) liefert Cpk falsche Ausschusswahrscheinlichkeiten. Prüfung: Histogramm, Anderson-Darling-Test oder Shapiro-Wilk-Test vor der Kennzahlberechnung. Bei Nicht-Normalverteilung: transformierte Kennzahlen oder nichtparametrische Methoden nutzen.

Fehler 3: Zu wenige Messwerte

Cpk aus 10 Messwerten ist statistisch kaum vertrauenswürdig. Die Messunsicherheit des Cpk-Schätzers ist bei n=10 so groß, dass auch ein Cpk von 1,8 im Konfidenzintervall noch unter 1,33 liegen kann. VDA-Empfehlung: mindestens 25–30 Messwerte für Erstbeurteilung, mindestens 100–125 für PPAP-Nachweis.

Fehler 4: Cpk statt Ppk nach PPAP

Für den Produktionsanlauf-Fähigkeitsnachweis nach PPAP / EMPB wird Ppk gefordert – nicht Cpk. Der Grund: Ppk zeigt die Langzeitperformance unter allen Produktionsbedingungen. Ein Betrieb, der zum PPAP Cpk liefert, liefert die falsche Kennzahl – und hat möglicherweise kurzfristige Streuung als 'Fähigkeit' deklariert, die in der Langzeitproduktion nicht haltbar ist.

Fehler 5: Fehlende Messsystemanalyse (MSA)

Ein Cpk-Wert enthält immer auch die Streuung des Messsystems. Wenn das Messsystem schlecht ist (hoher Gage R&R), ist ein scheinbar schlechter Cpk eigentlich ein Messgeräteproblem – und kein Prozessproblem. Als Faustregel: Messsystemstreuung sollte weniger als 10–30 % der Gesamtstreuung ausmachen. Ohne MSA-Nachweis ist kein Cpk vertrauenswürdig.



 

Prozesskennzahlen automatisch, in Echtzeit und je Seriennummer

PRAXISTIPP

CSP IPM – Prozesskennzahlen automatisch und spurgebunden

CSP IPM berechnet Cp, Cpk, Pp und Ppk automatisch aus den Prozessparameter-Daten – je Merkmal, je Schicht, je Fertigungsauftrag und je Seriennummer. Keine manuelle Excel-Auswertung, keine veralteten Daten: Prozesskennzahlen in Echtzeit, als Grundlage für sofortiges Eingreifen.

  • Automatische Cpk-Berechnung: aus Echtzeit-Messdaten je Seriennummer, Merkmal und Auftrag
  • Regelkarten-Integration: Shewhart-Karten (x̄/R, x̄/s) mit statistischen Grenzen live am Arbeitsplatz
  • Stabilitätsprüfung: automatische Erkennung von Trends, Sprüngen und Muster nach Western Electric Rules
  • PPAP-Export: Pp/Ppk-Berichte je Merkmal direkt aus dem System – kein Excel, kein manueller Aufwand
  • Normen-Check: automatische Ampel gegen kundenspezifische Cpk-Grenzwerte (IATF, OEM-CSR)
  • Traceability-Verknüpfung: Prozesskennzahlen je Seriennummer – Audit-Nachweis IATF 8.5.1

→ Demo vereinbaren

 

 

Häufig gestellte Fragen

 

Was ist der Unterschied zwischen Cpk und Ppk in einfachen Worten?

Cpk misst die kurzfristige Fähigkeit eines Prozesses – gewissermaßen: 'Wie gut ist der Prozess gerade, wenn er optimal eingestellt ist?' Ppk misst die langfristige Performance – 'Wie gut ist der Prozess wirklich, über Schichten, Chargen und Wochen hinweg?' Cpk ist fast immer höher als Ppk, weil Langzeiteffekte (Werkzeugverschleiß, Chargenwechsel, Temperaturschwankungen) die reale Streuung erhöhen. Ein großer Unterschied zwischen Cpk und Ppk ist ein Hinweis darauf, dass systematische Langzeiteinflüsse vorhanden sind, die reduziert werden sollten.

 

Wie viele Messwerte brauche ich für eine valide Cpk-Berechnung?

Als Minimum für eine erste Einschätzung: 25–30 Einzelmesswerte. Für einen PPAP-/EMPB-Nachweis: mindestens 100–125 Messwerte über alle relevanten Produktionsbedingungen (verschiedene Schichten, Chargen, Zeiträume). Mit weniger Messwerten ist der statistische Schätzfehler so groß, dass der Cpk-Wert keine verlässliche Aussage macht – ein Cpk von 1,5 aus 15 Messwerten kann im Konfidenzintervall von 0,9 bis 2,1 liegen.

 

Was bedeutet ein negativer Cpk-Wert?

Ein negativer Cpk-Wert bedeutet, dass der Prozessmittelpunkt außerhalb der Toleranzgrenzen liegt – die Mehrheit der Messungen ist also außerhalb der Spezifikation. In der Praxis passiert das typisch nach einer Fehleinstellung oder bei einer Maschine, die nach einem Crash nicht richtig referenziert wurde. Ein negativer Cpk ist kein statistisches Kuriosum, sondern ein akuter Qualitätsnotfall.

 

Kann ich Cpk auch für einseitige Toleranzen berechnen?

Ja – aber nur die relevante Seite. Bei einer Mindestanforderung (nur USG, kein OSG) berechnet sich Cpk als (µ − USG) / (3σ̂). Bei einer Maximalanforderung (nur OSG, kein USG) als (OSG − µ) / (3σ̂). Bei einseitigen Toleranzen entfällt das 'Minimum'-Kriterium, weil es nur eine Toleranzgrenze gibt. Cp und Pp können bei einseitigen Toleranzen ohne eine obere Spezifikation nicht sinnvoll berechnet werden.

 

Was ist der Unterschied zwischen Cpk und Sigma-Level?

Sigma-Level (oft im Six-Sigma-Kontext verwendet) und Cpk messen beide Prozessfähigkeit, aber mit unterschiedlichen Referenzmodellen. Cpk = 1,0 entspricht einem 3-Sigma-Prozess (±3σ auf die Toleranzgrenze). Six Sigma zählt jedoch Sigma-Level als Abstand vom Prozessmittel zur nächsten Toleranzgrenze in Sigma-Einheiten und addiert typisch 1,5 Sigma für Langzeitdrift. Deshalb entspricht 'Six Sigma' (= 6σ-Abstand) nicht Cpk = 2,0, sondern Cpk ≈ 1,5 mit Drift-Annahme. Im IATF/VDA-Kontext wird das Sigma-Level selten verwendet – dort gilt direkt Cpk.

 

Was ist die Messsystemanalyse (MSA / Gage R&R) und warum ist sie für Cpk relevant?

MSA (Measurement System Analysis) bzw. Gage R&R (Repeatability and Reproducibility) analysiert, welcher Anteil der beobachteten Messwertschwankung auf das Messsystem zurückzuführen ist – und nicht auf den Prozess. Wenn Gage R&R > 30 % der Gesamttoleranz beträgt, ist das Messsystem ungeeignet für die Messung dieses Merkmals. In diesem Fall ist der gemessene Cpk nicht der wahre Prozess-Cpk, sondern eine Mischung aus Prozess- und Messfehler-Streuung. IATF 16949 Abschnitt 7.1.5.1 fordert den Nachweis der Messsystemeignung vor der Cpk-Berechnung.

 

Welche Regelkarte passt zu welchem Anwendungsfall?

Die häufigsten Regelkarten: x̄/R-Karte (Mittelwert/Spannweite) für Untergruppen der Größe 2–10 – Standard in der Fertigung. x̄/s-Karte (Mittelwert/Standardabweichung) für Untergruppen > 10 – statistisch effizienter. I/MR-Karte (Einzelwerte/Moving Range) für Einzelmesswerte oder wenn keine Untergruppen gebildet werden können – z.B. bei langen Zykluszeiten. EWMA-Karte für kleine Verschiebungen sensibel erkennbar machen. Im IATF-Kontext ist die x̄/R-Karte der Standard, weil sie einfach zu implementieren und gut dokumentiert ist.

 

Was bedeutet 'statistische Prozesskontrolle (SPC)' im Unterschied zur Prozesskennzahl?

Prozesskennzahlen (Cpk, Ppk etc.) sind eine Momentaufnahme: Sie sagen, wie fähig der Prozess über einen betrachteten Zeitraum war. SPC ist ein Prozessüberwachungssystem: Es überwacht kontinuierlich, ob der Prozess stabil bleibt, und gibt Signale, wenn Sondersituationen auftreten. SPC ohne Prozesskennzahl: Man weiß, dass der Prozess stabil ist, aber nicht, ob er fähig ist. Prozesskennzahl ohne SPC: Man weiß, wie fähig der Prozess war, aber nicht ob er das noch ist. Zusammen ergeben sie vollständige statistische Qualitätssicherung.