Qualitätssicherungssoftware wählen: Der Praxis-Leitfaden

Geschrieben von Korbinian Hermann | 11.6.2026

Wer in einem Fertigungsunternehmen für Qualität zuständig ist, kennt die Situation: Ein IATF-Audit steht bevor, die Prozessdaten liegen in drei verschiedenen Systemen, und die Frage „Welches Teil wurde mit welchem Drehmoment verschraubt?“ braucht 40 Minuten und zwei Telefonanrufe. Das ist kein Einzelfall – das ist Alltag in Betrieben, die Qualitätssicherungssoftware einsetzen, aber nicht systematisch ausgewählt haben.

Der Markt für Software für Qualitätsmanagement ist unscharf. Hersteller verwenden dieselben Begriffe für grundlegend verschiedene Produkte: CAQ-System, QMS, MES-Modul, Prozessdaten-Plattform – alles soll „digitale Qualitätssicherung“ sein. Was fehlt, ist eine ehrliche Auswahllogik: Was braucht Ihr Betrieb tatsächlich, welche Anforderungen sind Pflicht, und welche Systeme erfüllen diese Anforderungen belastbar?

Dieser Leitfaden gibt Qualitätsmanagern und Produktionsverantwortlichen eine strukturierte Grundlage für die Softwareauswahl mit konkreten Bewertungskriterien zu Prüfautomatisierung, Rückverfolgbarkeit und revisionssicherer Dokumentation. Keine Feature-Listen, keine Produktwerbung. Sondern die Fragen, die Sie einem Softwareanbieter stellen müssen, bevor Sie eine Kaufentscheidung treffen.

 

DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE
  • Qualitätssicherungssoftware in der Fertigung muss drei Kernfunktionen abdecken: Prüfautomatisierung, bauteilgenaue Rückverfolgbarkeit und revisionssichere Dokumentation – alle drei zusammen, nicht einzeln.

  • IATF 16949 (Abschnitte 7.5, 8.5.2) und ISO 9001:2015 (Abschnitte 9.1) schreiben Dokumentations- und Rückverfolgbarkeitspflichten vor, die ein reines Backup-System oder eine ERP-Erweiterung nicht erfüllen kann.

  • Das entscheidende Auswahlkriterium ist nicht der Funktionsumfang, sondern die Integrations- und Archivierungsfähigkeit: Kann das System Prozessdaten direkt aus der Steuerungsebene erfassen und bauteilgenau zuordnen?

  • Herstellerunabhängigkeit ist keine optionale Eigenschaft – wer an einen Werkzeughersteller gebunden ist, verliert Flexibilität bei Technologiewechseln und zahlt höhere Folgekosten.

  • Die EU-Produkthaftungsrichtlinie 2024 verlängert Aufbewahrungsfristen für sicherheitsrelevante Produktionsdaten auf bis zu 25 Jahre – das muss die gewählte Software ohne Systemwechsel archivieren können.

  • Manufacturing OS von CSP deckt alle Kernbereiche ab

KURZ ZUSAMMENGEFASST
  • Viele Betriebe haben „Irgendwas für Qualität“ im Einsatz – aber keinen lückenlosen Nachweis darüber, was mit einem konkreten Bauteil in Fertigungsschritt 3 tatsächlich passiert ist.

  • Automatisierte Qualitätsprüfung bedeutet: Der Prüfprozess wird vom System gesteuert und dokumentiert, nicht nur die Ergebnisse werden später eingetragen.

  • Rückverfolgbarkeit funktioniert nur, wenn Prozessdaten, Prüfdaten und Materialstammdaten mit derselben Bauteil-ID verknüpft sind – nicht wenn sie getrennt in ERP, MES und Papierarchiv liegen.

  • Wer heute eine QS-Software wählt, wählt gleichzeitig das Archivierungssystem für die nächsten 15 bis 25 Jahre.

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INHALT DIESES ARTIKELS

  1. Was leistet Qualitätssicherungssoftware in der Fertigung wirklich?
  2. Kriterium 1: Prüfautomatisierung – Was bedeutet das konkret?
  3. Kriterium 2: Rückverfolgbarkeit – Mehr als nur Daten speichern
  4. Kriterium 3: Revisionssichere Dokumentation – Was Normen tatsächlich fordern
  5. Systemvergleich: Welche Softwaretypen gibt es und was können sie?
  6. Schritt-für-Schritt: So wählen Sie die richtige QS-Software aus
  7. Häufig gestellte Fragen

Was leistet Qualitätssicherungssoftware in der Fertigung wirklich?

Der Begriff ist weiter gefasst, als er klingt. Unter „Qualitätssicherungssoftware“ werden in der Praxis sehr unterschiedliche Systeme zusammengefasst: kleine CAQ-Module, die Prüfpläne verwalten; ausgewachsene QMS-Plattformen, die ISO-Dokumentation organisieren; MES-nahe Prozessmonitor-Tools, die Maschinenübergabedaten erfassen; und Archivierungssysteme, die Produktionsdaten revisionssicher speichern. Keines davon ist dasselbe.

Die entscheidende Unterscheidung läuft nicht über den Funktionsumfang, sondern über den Datenbezug: Arbeitet das System auf Bauteil-Ebene (Seriennummer oder Chargennummer) oder aggregiert es nur auf Schicht- oder Tagesebene? Der Unterschied bestimmt, ob Sie im Ruf-Rückruffall einen gezielten Teilrückruf durchführen können oder die gesamte Produktion sperren müssen.

Typischer Fehler: Ein Betrieb kauft ein QMS-System, das Dokumente, Freigaben und Schulungsnachweise verwaltet und stellt im ersten ernsthaften Audit fest, dass der Prüfvorgang an Linie 3 nicht bauteilgenau dokumentiert ist. Das QMS ist kein Qualitätssicherungssystem für die Fertigung. Es ist ein Dokumentenmanagementsystem.

Systemtyp

Kernfunktion

Datenbezug

Geeignet für

CAQ-System

Prüfplanung, SPC, Reklamation

Charge / Auftrag

QM-Abteilung, Prüfplanung

QMS-Plattform

Dokumentation, Prozesse, Audits

Dokument / Prozess

ISO-/IATF-Zertifizierung

MES-Qualitätsmodul

Maschinendaten, Echtzeitüberwachung

Auftrag / Schicht

Produktionssteuerung

Prozessdaten-Software 

Fügedaten, Alarme, Lebenslaufakte

Bauteil / Seriennummer

Qualitätssicherung Fert.

Werkzeugprüf-Software 

Prozess-/Maschinenbefähigungsprüfung

Werkzeug / Messpunkt

Schraubtechnik, Fügetechnik

Archivierungssystem 

Revisionssichere Langzeitarchivierung

Bauteil / Charge / Dokument

Compliance, Langfristnachweis

 

Kriterium 1: Prüfautomatisierung – Was bedeutet das konkret?

Automatisierte Qualitätsprüfung ist nicht dasselbe wie digitale Qualitätsprüfung. Digital bedeutet, dass Ergebnisse in einem System erfasst werden. Automatisiert bedeutet, dass das System den Prüfprozess steuert, überwacht und dokumentiert, ohne manuelle Zwischenschritte. Der Unterschied ist praktisch: Bei echter Automatisierung kann kein Werkzeug freigegeben werden, dessen Kalibrierung abgelaufen ist, und kein Bauteil die Station verlassen, bevor die Pflichtprüfungen dokumentiert sind.

In der Praxis bedeutet das für sicherheitsrelevante Verschraubungen: Das System plant die Stichproben nach VDI/VDE 2862, steuert die Prüfzyklen, erfasst Messwerte direkt aus den Prüfschlüsseln, bewertet IO / NIO gegen definierte Toleranzen und schreibt das Ergebnis mit Zeitstempel in die Bauteilakte. Kein manueller Export, kein späteres Nachtragen.

Bei Audi Neckarsulm übernimmt QST von CSP genau diese Funktion: tägliche Stichprobenprüfungen an Verschraubungen der Risikoklassen A und B werden vollständig automatisiert geplant, durchgeführt und archiviert. Die automatisierte Dokumentation ist dabei nach eigener Aussage des Standorts besonders wichtig, insbesondere für die vorgeschriebene Maschinenbefähigkeitsuntersuchung bei neuen Anlagen.

WANN PRÜFAUTOMATISIERUNG FUNKTIONIERT
  • Werkzeuge sind digital identifizierbar (Seriennummer, RFID, Barcode) und mit dem System verbunden
  • Prüfpläne sind im System hinterlegt und steuern den Prüfzyklus automatisch
  • Messwerte werden direkt aus dem Prüfgerät übernommen – keine manuelle Eingabe der Ergebnisse
  • IO/NIO-Entscheidung läuft gegen hinterlegte Toleranzen, nicht gegen manuelle Beurteilung
  • Herstellerunabhängigkeit: System prüft Werkzeuge verschiedener Hersteller über offene Schnittstellen

Die kritischen Fragen für Anbietergespräche:

  • Welche Verbindungstechnologien (Verschrauben, Nieten, Kleben, Pressen, Schweissen) werden nativ unterstützt?
  • Kann das System Werkzeuge verschiedener Hersteller gleichzeitig prüfen?
  • Wie werden Prüfpläne bei Produktwechsel aktualisiert – manuell oder über ERP-Anbindung?
  • Was passiert, wenn ein Prüfgerät NIO-Werte misst – blockiert das System die Linie automatisch?

PRAXISTIPP | Werkzeugprüfung und Prozessbefähigung

Die Software QST unterstützt die Planung, Durchführung und Auswertung von Qualitätsprüfungen über die gesamte Produktlebensdauer. Individuell definierte Messpunkte verwalten unterschiedliche Messgrößen unabhängig von der eingesetzten Fügetechnik. Über 60 erweiterbare Module und Herstellerunabhängigkeit ermöglichen den Einsatz in heterogenen Werkzeugumgebungen. 

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Kriterium 2: Rückverfolgbarkeit – Mehr als nur Daten speichern

Rückverfolgbarkeit (engl. Traceability) ist in der Fertigungsqualität eines der am meisten falsch verstandenen Konzepte. Viele Betriebe glauben, sie seien rückverfolgbar, weil sie Daten speichern. Tatsächlich rückverfolgbar sind Sie erst, wenn diese Daten mit einem konkreten Bauteil oder einer Charge verknüpft sind und systemweit abgefragt werden können. Die Daten können in ERP, MES und Papierarchiv vorhanden sein, wenn sie nicht miteinander verknüpft sind, ist das kein Traceability-Nachweis.

IATF 16949 Abschnitt 8.5.2 fordert bauteilgenaue Rückverfolgbarkeit für sicherheitsrelevante Komponenten der Klasse A. Das bedeutet: Für jedes einzelne Bauteil müssen Materialcharge, Prozessparameter, Prüfergebnisse und Freigabeentscheidungen mit derselben Seriennummer oder Chargennummer verknüpft und im Ernstfall innerhalb von Minuten abrufbar sein.

Laut Praxiserfahrung aus Produktionsprojekten liegt der Unterschied zwischen einem gezielten Teilrückruf und einem Vollrückruf oft in der Frage, ob die Traceability-Daten systemweit abfragbar sind. Wer nur Chargen-Ebene trackt, muss im Zweifel mehr sperren als nötig. Einsparungen im sechsstelligen Bereich sind möglich, wenn der Rückruf auf die tatsächlich betroffenen Bauteile eingegrenzt werden kann.

Ebene

Was wird verknüpft

Ausreichend für IATF Kl. A?

Datenquelle

Schichtebene

Produktionsdaten aggregiert auf Schicht

Nein

ERP, MES

Auftragsebene

Fertigungsauftrag mit Prüfergebnissen

Teilweise

MES, QMS

Chargenebene

Materialcharge mit Prozessparametern

Teilweise

MES, ERP

Bauteilebene

Seriennr. mit allen Prozess-/Prüfdaten

Ja

IPM, QST, MES

 

Kritische Prüffragen für den Systemvergleich:

  • Kann die Software einen bauteilgenauen Nachweis über alle Fertigungsstufen hinweg in unter 5 Minuten erzeugen?
  • Werden Prozessparameter (Drehmoment, Einpresswert, Temperatur) automatisch mit der Bauteil-ID verknüpft?
  • Kann das System eine vorwärts- und rückwärtsbezogene Chargenabfrage durchführen?
  • Ist die Bauteilakte auch nach einem Systemwechsel oder einem Datenbankupgrade noch abrufbar?

PRAXISTIPP |  Prozessdaten bauteilgenau in der Lebenslaufakte

Die Software IPM erfasst alle Daten aus dem Produktionsprozess – Drehmoment, Einpresswerte, Schweiss- und Klebeprotokolle – und speichert sie bauteilgenau in einer Lebenslaufakte. Bei Abweichungen alarmiert das System in Echtzeit. Unterstüzte Prozesse umfassen Verschrauben, Nieten, Schweissen, Kleben, Befüllen, Umformen und Prüfen. Durch native OPC-UA-Anbindung und REST-API-Schnittstelle zum ERP ist IPM ohne Insellösungs-Logik einbindbar.

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Kriterium 3: Revisionssichere Dokumentation – Was Normen tatsächlich fordern

Revisionssicher ist kein Marketingbegriff, es ist eine technische und rechtliche Anforderung. Eine Datenbank ist revisionssicher, wenn vier Bedingungen erfüllt sind: Die Daten sind unveränderbar gespeichert (Audit Trail ohne Lücken), sie sind vollständig (alle pflichtrelevanten Ereignisse vorhanden), sie sind auffindbar (gezielte Suche ohne IT-Spezialkenntnisse) und sie sind dauerhaft lesbar (offene Formate auch nach Systemwechsel in 15 bis 25 Jahren).

Die Aufbewahrungsfristen, die Fertigungsunternehmen einhalten müssen, sind länger als die meisten erwarten: IATF 16949 fordert mindestens 15 Jahre für Qualitätsdaten, die EU-Produkthaftungsrichtlinie 2024 (2024/2853/EU) sieht bei latenten Schäden an sicherheitsrelevanten Produkten bis zu 25 Jahre vor. 

Das kritische Problem: Viele Qualitätssicherungssysteme in der Fertigung archivieren Daten in proprietären Formaten oder in Datenbanken, die an den Weiterbetrieb der Ursprungssoftware gebunden sind. Wer heute eine QS-Software kauft, kauft implizit auch ihr Archivierungsmodell für die nächsten zwei Jahrzehnte. Diese Bindung muss im Auswahlprozess explizit gecheckt werden.

Norm / Regelwerk

Relevante Anforderung

Aufbewahrungsfrist

Kernanforderung

IATF 16949 Abschn. 7.5

Dokumentation Qualitätsdaten

Mind. 15 Jahre

Unveränderbarkeit, Abrufbarkeit

ISO 9001:2015 Abschn. 9.1

Leistungsüberwachung, Nachweise

Kundenanforderung

Systematische Auswertung

EU-Produkthaftungsrichtlinie 2024

Entlastungsnachweis je Bauteil

Bis zu 25 Jahre

Bauteilbezug, Audit Trail

GoBD / § 147 AO

Steuerrelevante Buchungsbelege

10 Jahre

Lesbarkeit, Vollständigkeit

DSGVO

Personenbezogene Daten

Löschpflicht nach Zweck

Selektive Löschbarkeit

PRAXISTIPP |  Revisionssichere Langzeitarchivierung

CHRONOS archiviert Qualitäts- und Produktionsdaten revisionssicher für IATF 16949, GoBD und EU-Produkthaftungsrichtlinie – in offenen Formaten (PDF/A, CSV, XML), mit lückenlosem Audit Trail, gezielter Bauteilsuche ohne IT-Support und separater Archivdatenbank, die die Produktivdatenbank nicht belastet. Fachabteilungen können direkt auf archivierte Bauteilakten zugreifen – ohne IT-Ticket.

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Systemvergleich: Welche Softwaretypen gibt es und was können sie?

Der Markt bietet keine einheitliche Kategorie „Qualitätssicherungssoftware Fertigung“. Stattdessen gibt es Systemtypen mit unterschiedlichem Funktionsschwerpunkt. Die richtige Entscheidung hängt davon ab, welche Anforderungen in Ihrem Betrieb dominant sind.

Systemtyp

Stärken

Grenzen

Typische Zielgruppe

ERP-QM-Modul (SAP, MS Dynamics)

Kaufmänn. Integration, Lieferantenbewertung, Controlling

Meist keine bauteilgenaue Prozessdaten-Erfassung

GF, Controlling, Einkauf

CAQ-System (Babtec, CASQ-it)

Prüfplanung, SPC, Reklamationsverwaltung

Selten direkte Maschinenanbindung

QM-Abteilung

MES mit QS-Modul

Echtzeit Produktionssteuerung, OEE

Archivierung oft proprietär, begrenzte Traceability-Tiefe

Produktion, IT

Manufacturing OS (CSP)

Bauteilgenaue Prozessdaten, Werkzeugprüfung, Echtzeitalarm, Lebenslaufakte und revisionssichere 25-Jahres-Archivierung in einer modular aufgebauten Plattform

Kein ERP-Ersatz für kaufmännische Prozesse

Qualität, Produktion, IT, Compliance

 

 

Schritt-für-Schritt: So wählen Sie die richtige QS-Software aus

Die Auswahl von Qualitätssicherungssystemen scheitert häufig nicht am falschen Produkt, sondern an einer unvollständigen Anforderungsanalyse. Wer in ein Gespräch mit einem Anbieter geht, ohne vorher die eigenen Pflichtanforderungen definiert zu haben, wird Feature-Demos schauen und am Ende nach dem besten Preis entscheiden.

SCHRITT 1 | Pflichtanforderungen definieren

► Welche Normen gelten für Ihren Betrieb? (IATF 16949, ISO 9001, ISO 13485, VDA?)

► Welche Verbindungstechnologien sind in der Linie – und sind sie sicherheitsrelevant (Klasse A/B)?

► Welche Aufbewahrungsfristen gelten für Ihre Produktionsdaten? (OEM-Lastenhefte prüfen)

► Welche bestehenden Systeme (ERP, MES) müssen angebunden werden?

SCHRITT 2 | Bewertungskriterien priorisieren

► Prüfautomatisierung: Muss das System Prüfzyklen steuern oder reicht Ergebniserfassung?

► Traceability-Tiefe: Chargenebene oder bauteilgenaue Seriennummernverfolgung?

► Archivierungsformat: Offene Formate (PDF/A, CSV, XML) oder proprietär?

► Herstellerunabhängigkeit: Kann das System Werkzeuge verschiedener Hersteller verwalten?

SCHRITT 3 | Anbieter qualifizieren – Mindestfragen stellen

► Wie wird ein Bauteilnachweis für ein Teil aus dem Jahr 2019 heute in Ihrem System erzeugt?

► In welchem Format werden Daten nach 15 Jahren archiviert und sind sie ohne Ihre Software lesbar?

► Zeigen Sie mir, wie eine NIO-Prüfung an einer Linie im System verarbeitet und eskaliert wird.

► Welche offenen Schnittstellen hat das System (OPC-UA, REST-API)?

SCHRITT 4 | Pilotprojekt vor Breit-Rollout

► Eine Pilotlinie oder einen Pilotprozess auswählen und in 8 bis 12 Wochen vollständig einführen

► Mindestanforderung: Erster IATF-Audit-Nachweis mit neuer Software möglich?

► IT-Integration validieren bevor Rollout auf weitere Linien erfolgt

► Entscheidungskriterien für Rollout vorher schriftlich festlegen

Häufig unterschätzte Kostenfaktoren bei der QS-Software-Auswahl

► Migrationskosten: Wer trägt die Kosten, wenn Altdaten in das neue System übernommen werden müssen?

► Lizenzmodell bei Skalierung: Wird die Lizenz teurer, wenn mehr Linien angebunden werden?

► Proprietäres Archivformat: Wenn der Anbieter vom Markt verschwindet – wer garantiert die Lesbarkeit in 2040?

► IT-Aufwand für Zugriffe: Wie viele IT-Tickets entstehen jährlich, wenn Fachabteilungen auf Archivdaten zugreifen wollen?

► Nachschulung bei Personalwechsel: Wie hoch ist der Schulungsaufwand für neue Mitarbeitende?

 

Häufig gestellte Fragen 

Welche Norm schreibt eine Qualitätssicherungssoftware in der Fertigung vor?

Keine Norm schreibt eine bestimmte Software vor. IATF 16949 Abschnitt 7.5 fordert lenkbare Dokumente und Aufzeichnungen; Abschnitt 8.5.2 fordert Rückverfolgbarkeit für sicherheitsrelevante Teile. ISO 9001:2015 Abschnitt 9.1 fordert datengestützte Überwachung und Messung. Was diese Normen fordern, sind Ergebnisse – lückenlose Nachweise, bauteilgenaue Ruckverfolgbarkeit – und diese können nur mit geeigneter Software zuverlässig erbracht werden.

 

Muss eine Qualitätssicherungssoftware herstellerunabhängig sein?

Technisch ist Herstellerunabhängigkeit keine Pflicht, aber in der Praxis ein wichtiges Kriterium: Wer ein System kauft, das nur Werkzeuge eines Herstellers prüfen kann, ist bei Technologiewechseln oder Lieferantenkonsolidierungen gebunden. Herstellerunabhängige Systeme wie Manufacturing OS von CSP unterstützen verschiedene Werkzeughersteller gleichzeitig und sind damit flexibler und langfristig kostengünstiger.

 

Kann ich eine Qualitätssicherungssoftware in mein bestehendes ERP-System integrieren?

Ja, moderne QS-Systeme bieten offene Schnittstellen (OPC-UA für die Maschinenebene, REST-API für die ERP-Anbindung). Die Integration ermöglicht, dass Fertigungsaufträge aus dem ERP automatisch als Prüfvorgaben ins QS-System übertragen werden und Prüfergebnisse zurückgemeldet werden. Typische Integrationsprojekte dauern 6 bis 12 Wochen und kosten 30.000 bis 80.000 Euro, abhängig von Komplexität und Stammdatenqualität.

 

Wie lange müssen Qualitätsdaten aus der Fertigung aufbewahrt werden?

Die Aufbewahrungsfristen variieren nach Norm und Branche: IATF 16949 fordert mindestens 15 Jahre nach letzter Lieferung, die neue EU-Produkthaftungsrichtlinie 2024 sieht bei latenten Schäden bis zu 25 Jahre vor. OEM-Lastenhefte (BMW, VW, Mercedes-Benz) können längere Fristen vorschreiben. Für sicherheitsrelevante Produktionsdaten empfiehlt sich daher 25 Jahre als Planungsgröße. Das gewählte Archivierungssystem muss diese Fristen ohne Systemwechsel gewährleisten.

 

Ab welcher Betriebsgröße lohnt sich ein spezialisiertes QMS System?

Es gibt keine starre Untergrenze, aber ein sinnvoller Anhaltspunkt sind Betriebe mit mindestens 50 bis 100 Fert igungsarbeitsplätzen und IATF-Zertifizierungspflicht oder OEM-Lieferantenbeziehung. Kleiner ist der manuelle Aufwand für ein vollständiges Qualitätssicherungssystem oft höher als der Nutzen. Modulare Systeme wie Manufacturing OS von CSP ermöglichen einen schrittweisen Einstieg mit einzelnen Modulen, ohne die gesamte Suite auf einmal einzuführen.

 

Kann künstliche Intelligenz in der Qualitätssicherungssoftware autonom Freigabeentscheidungen treffen?

Nein. In sicherheitskritischen Fertigungsbereichen ist vollautonome Freigabe durch KI-Systeme regulatorisch nicht zulässig. Der EU AI Act klassifiziert KI-Systeme in sicherheitsrelevanten Produktionsprozessen als Hochrisikosysteme mit zwingender menschlicher Aufsicht. KI kann in der Qualitätssicherung wertvolle Unterstützung leisten – Anomalieerkennung, vorausschauende Fehlerwarnung, Auswertungsautomatisierung – aber die Freigabeentscheidung muss immer von einem qualifizierten Mitarbeitenden getroffen und dokumentiert werden.