Ein Zulieferer bekommt an einem Donnerstag die Reklamation eines Fahrzeugherstellers. Ein Bremssattel, gefertigt vor vierzehn Monaten, eine gelöste Verschraubung, Seriennummer liegt vor. Die Frage des Kunden ist einfach: Mit welchem Drehmoment wurde diese Schraube angezogen, mit welchem Werkzeug, und war das Werkzeug kalibriert? Die Werte existieren. Sie liegen in der Steuerung von vier Schraubsystemen, in zwei Exportverzeichnissen und in einer Datenbank, die vor acht Monaten aus Platzgründen bereinigt wurde. Nach drei Tagen steht das Ergebnis: Der Vorgang lässt sich nicht mehr eindeutig zuordnen. Damit ist die Frage nicht unbeantwortet, sondern beantwortet, nur zum Nachteil des Zulieferers.
DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE
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Dieser Fall ist nicht die Ausnahme. Er ist der Regelfall in Betrieben, die Schraubdaten erfassen, aber nicht managen. Der Unterschied zwischen beidem entscheidet darüber, ob vorhandene Messwerte im Ernstfall entlasten oder nur belegen, dass gemessen wurde.
Schraubdatenmanagement ist deshalb kein Thema der Messtechnik, sondern der Datenarchitektur. Die Sensorik ist in den meisten Werken längst gut. Was fehlt, ist der Weg vom Messwert zum nachweisfähigen Datensatz und von dort in eine Aufbewahrung, die länger hält als das System, in dem sie entstanden ist.
Dieser Beitrag ordnet den vollständigen Lebenszyklus: welche Daten anfallen, wie Sie Werkzeuge unterschiedlicher Hersteller anbinden, warum der Schlüssel wichtiger ist als der Messwert, wie lange Sie aufbewahren müssen und woran die Sache in der Praxis regelmäßig scheitert. Die normativen Mindestanforderungen je Schraubfallklasse sind nicht Gegenstand dieses Beitrags, sie stehen im Beitrag zu den Schraubfallklassen nach VDI/VDE 2862.
KURZ ZUSAMMENGEFASST
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Schraubdatenmanagement bezeichnet die durchgängige Erfassung, Zuordnung, Bewertung und revisionssichere Aufbewahrung aller Messwerte eines Anziehvorgangs über seinen gesamten Lebenszyklus. Der Begriff umfasst also mehr als die Protokollierung am Werkzeug, die in vielen Betrieben mit Schraubdatenmanagement gleichgesetzt wird.
Die Abgrenzung lässt sich an einer einzigen Frage festmachen. Ein Schraubsystem protokolliert einen Anziehvorgang mit Ist-Drehmoment, Drehwinkel und IO-Entscheid. Das ist Erfassung. Ob daraus ein Nachweis wird, hängt davon ab, ob dieser Datensatz mit dem Bauteil verbunden ist, ob er gegen den freigegebenen Sollwert bewertet wurde und ob er in zehn Jahren noch abrufbar ist. Das ist Management.
In der Praxis fällt der Unterschied lange nicht auf. Ein Betrieb kann jahrelang vollständig erfassen und dabei kein einziges Mal auskunftsfähig sein, weil der erste echte Abruf erst im Reklamationsfall stattfindet. Bis dahin sieht die Datenlage in jedem Dashboard gut aus.
| Kennzahl | Bedeutung | Quelle |
|---|---|---|
| 3 Klassen | Schraubfallklassen A, B und C bestimmen den Dokumentationsumfang | VDI/VDE 2862 Blatt 1 |
| Cpk 1,67 | Mindestanforderung für Drehmoment und Drehwinkel in Klasse A | VDI/VDE 2862 Blatt 1 |
| 10 Jahre | Verjährung von Ansprüchen nach Inverkehrbringen des Produkts | § 13 ProdHaftG |
| 8 Jahre | Steuerrechtliche Frist für Buchungsbelege seit dem 1. Januar 2025 | § 147 Abs. 3 AO, BEG IV |
Die vier Kennzahlen zeigen, aus welchen Richtungen die Anforderungen kommen. Die technischen Mindestanforderungen stehen in VDI/VDE 2862, die Nachweispflicht folgt aus Produkthaftung und Qualitätsmanagementnorm, und das Steuerrecht spielt eine untergeordnete Rolle. Wer die Aufbewahrung an der steuerrechtlichen Frist ausrichtet, richtet sie an der falschen Größe aus.
Ein Prüfmerkmal aus der Messtechnik ist eine Zahl. Ein Anziehvorgang ist eine Zeitreihe. Je nach Abtastrate des Schraubsystems entstehen pro Verschraubung hunderte Wertepaare aus Drehmoment und Drehwinkel, die zusammen den Verlauf beschreiben. Diese Eigenart hat drei praktische Folgen, die das Datenmanagement von dem anderer Qualitätsdaten unterscheiden.
Erstens das Volumen. Eine Linie mit dreißig Schraublagen und einer Taktzeit von einer Minute erzeugt bei vollständiger Kurvenspeicherung ein Datenvolumen, das die Größenordnung klassischer Messdaten um mehrere Faktoren übersteigt. Über eine Aufbewahrungsfrist von zehn Jahren wird daraus eine Speicherentscheidung, keine Nebensache.
Zweitens die Aussagekraft. Zwei Verschraubungen können dasselbe Endmoment erreichen und dabei vollständig unterschiedliche Verläufe haben. Ein zu früh einsetzender Anstieg deutet auf ein Hindernis, ein flacher Verlauf auf eine fehlende Auflagefläche, ein Einbruch nach dem Fügen auf Setzverhalten. Der Endwert allein erkennt keinen dieser Fälle. Welche Muster welche Ursachen haben, behandelt der Beitrag zu den Verschraubungskurven.
Drittens der Werkzeugbezug. Anders als bei einem Messmittel, das ein Merkmal einmal prüft, ist das Schraubwerkzeug Teil des Prozesses selbst. Der Messwert ist damit nur so gültig wie der Kalibrierstatus des Werkzeugs zum Zeitpunkt des Anziehens. Ein Datensatz ohne Werkzeug-ID lässt diesen Nachweis nicht zu.
Der Weg vom Anziehvorgang zur belastbaren Auskunft führt über fünf Stufen. Jede Stufe hat einen typischen Bruchpunkt, und in den meisten Betrieben liegt der Bruch nicht bei der Erfassung, sondern eine oder zwei Stufen später.
| Stufe | Was passiert | Typischer Bruch an dieser Stelle |
|---|---|---|
| 1. Erfassung | Der Schrauber liefert Ist-Drehmoment, Drehwinkel, Verlauf und IO-Entscheid | Werte bleiben in der Steuerung des Werkzeugs und werden zyklisch überschrieben |
| 2. Zuordnung | Der Datensatz wird an Seriennummer, Schraublage, Werkzeug-ID und Parametersatz gebunden | Die Seriennummer fehlt, es bleibt eine Reihe von Werten ohne Bauteilbezug |
| 3. Bewertung | Werte werden gegen Sollwert und Toleranz geprüft, Fähigkeitskennzahlen berechnet | Bewertung erfolgt nur am Endwert, der Verlauf wird nicht ausgewertet |
| 4. Aufbewahrung | Der Datensatz wird unveränderlich und über die geforderte Frist abrufbar gehalten | Daten liegen in einer Produktivdatenbank, die nach zwei Jahren aus Platzgründen bereinigt wird |
| 5. Auskunft | Zu einer Seriennummer wird die vollständige Verschraubungshistorie ausgegeben | Auskunft dauert Tage, weil Werte aus mehreren Systemen manuell zusammengesucht werden |
Aufschlussreich ist, wo die Investitionen üblicherweise landen. Sie landen auf Stufe eins, bei Werkzeugen und Sensorik, weil dort der Nutzen sichtbar und der Anbieter greifbar ist. Die Stufen zwei und vier bekommen selten ein eigenes Budget, obwohl dort die Nachweisfähigkeit entsteht. Prüfen Sie deshalb einmal an einem konkreten Vorgang, an welcher Stufe Ihre Kette tatsächlich reißt, bevor Sie in bessere Messtechnik investieren.
Stufe fünf ist die einzige, die von außen sichtbar wird. Ein Prüfer oder ein Kunde erlebt nur diese Stufe. Alles Vorgelagerte wird ausschließlich daran gemessen, wie schnell und wie vollständig eine Auskunft zu einem einzelnen Bauteil möglich ist. Wie ein belastbarer Audit-Trail dafür aufgebaut wird, beschreibt der Beitrag zum Audit-Trail in der Fertigung.
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Kaum ein Werk arbeitet mit den Schraubsystemen eines einzigen Herstellers. Gewachsene Linien enthalten typischerweise drei bis sechs Fabrikate aus verschiedenen Generationen, und bei jeder Erweiterung kommt eines dazu. Die Anbindungsfrage ist deshalb keine einmalige Projektaufgabe, sondern eine dauerhafte.
| Weg | Wann er passt | Was Sie dauerhaft dafür bezahlen |
|---|---|---|
| OPC UA | Steuerungen und Schraubsysteme mit OPC-UA-Server, herstellerübergreifend verfügbar | Einmalige Modellierung der Adressräume, danach geringer Pflegeaufwand |
| REST oder MQTT | Neuere Schraubsysteme und Gateways, gut für Kurvendaten mit hohem Volumen | Versionierung der Schnittstelle bei Firmware-Wechseln des Werkzeugs |
| Herstellerprotokoll | Ältere Anlagen ohne offene Schnittstelle, oft die einzige Möglichkeit | Ein Adapter je Hersteller und Generation, Bindung an den Anbieter |
| Dateiexport | Übergangslösung, wenn eine Anlage kurzfristig eingebunden werden muss | Manuelle Schritte, Zeitverzug, kein belastbarer Nachweis der Vollständigkeit |
| Digitaler Ein- und Ausgang | Nur IO-Signal ohne Messwert, bei sehr einfachen Werkzeugen | Kein Zahlenwert, damit für Klasse A und B nicht ausreichend |
Die entscheidende Regel lautet: Alle Wege müssen in dasselbe Datenmodell münden. Ein Herstellerprotokoll ist nicht das Problem, solange der Datensatz danach dieselbe Struktur hat wie der aus dem OPC-UA-Kanal. Zum Problem wird es, wenn jeder Anbindungsweg sein eigenes Format behält und die Auswertung dann herstellerweise erfolgt. Genau dann ist eine Auskunft über eine Seriennummer, die drei Stationen mit drei Fabrikaten durchlaufen hat, nicht mehr in einem Schritt möglich.
Praktisch heißt das: Legen Sie das Datenmodell fest, bevor Sie das erste Werkzeug anbinden, und nicht danach. Die Reihenfolge klingt selbstverständlich, wird aber regelmäßig umgekehrt, weil die erste Anbindung meist aus einem konkreten Anlass entsteht und nicht aus einem Konzept. Warum Herstellerunabhängigkeit dabei kein Komfortthema ist, hat Korbinian Hermann in seinem Beitrag zur Herstellerunabhängigkeit in der Produktion eingeordnet.
Dieser Abschnitt enthält den einen Satz, an dem sich in der Praxis alles entscheidet: Ein Drehmomentwert ohne Zuordnung zu Seriennummer, Schraublage und Werkzeug-ID ist im Reklamationsfall wertlos.
Der Grund liegt in der Art der Frage, die gestellt wird. Im Audit und im Reklamationsfall fragt niemand, welche Drehmomente in einer bestimmten Kalenderwoche gemessen wurden. Gefragt wird nach einem einzelnen Bauteil, identifiziert über eine Seriennummer oder eine Charge. Ein Datenbestand, der sich nur nach Zeit und Station gliedert, kann diese Frage grundsätzlich nicht beantworten, unabhängig von seiner Größe und Qualität.
Der Schlüssel muss dabei durchgehen. Er muss in der Werkerführung entstehen, in der Prüfung mitgeführt werden und in der Archivierung erhalten bleiben. Bricht er an einer Übergabe, entsteht eine Lücke, die im Nachhinein nicht zu schließen ist, weil die Bauteile zu diesem Zeitpunkt längst ausgeliefert sind. Welche Felder ein solches Datenmodell mindestens tragen muss, beschreibt der Beitrag zum Datenmodell für Rückverfolgbarkeit.
Im Reklamationsfall fragt niemand nach Ihren Drehmomentwerten. Gefragt wird nach diesem einen Bauteil. Wer darauf nicht in Minuten antworten kann, hat Daten gesammelt und keinen Nachweis geführt.
Amadeus Lederle, Chief Technology Executive, CSP Intelligence GmbH
Zwei weitere Schlüsselfelder werden häufig unterschätzt. Die Schraublage muss eindeutig sein, weil Fähigkeitskennzahlen je Schraublage berechnet werden und nicht je Station. Laufen mehrere Lagen unter einer gemeinsamen Kennung, entsteht eine Mischverteilung, deren Cpk aussagelos ist. Welche Grenzwerte dabei überhaupt gelten, ordnet der Beitrag zu den Cpk-Grenzwerten nach IATF 16949 ein.
Das zweite unterschätzte Feld ist die Kennzeichnung als Erst- oder Nachanzug. Ein Nachanzug an einer bereits gefügten Verbindung erzeugt einen anderen Kurvenverlauf und einen anderen statistischen Beitrag als ein Erstanzug. Werden beide gleich behandelt, verfälscht die Nacharbeit die Prozessfähigkeit systematisch nach oben.
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KOSTENLOSES TOOL Fähigkeit je Schraublage in zwei Minuten prüfenMesswerte einfügen, Toleranzgrenzen setzen. Sie erhalten Cp, Cpu, Cpl und Cpk mit Bewertung nach IATF 16949 und AIAG-VDA für besondere Merkmale. Cpk-Kalkulator öffnen |
Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten, aber sie lässt sich sauber strukturieren. Der Konformitätsnachweis und die Ursachenanalyse haben unterschiedliche Datenbedürfnisse, und wer beide über dieselbe Speicherregel abdeckt, zahlt entweder zu viel oder verliert Analysefähigkeit.
Für den Nachweis, dass eine Verbindung innerhalb der Spezifikation angezogen wurde, genügt der Endwert mit Sollwert, Toleranz, IO-Entscheid und den Schlüsselfeldern. Diese Datenmenge ist klein und lässt sich über sehr lange Fristen problemlos vorhalten. Sie ist das Pflichtprogramm und darf unter keinen Umständen der Speicherkapazität geopfert werden.
Für die Ursachenanalyse braucht es den Verlauf. Erst er zeigt, ob eine Abweichung aus dem Bauteil, aus der Vorrichtung, aus dem Werkzeug oder aus der Fügefolge kommt. Ohne Verlauf bleibt die Analyse bei der Feststellung stehen, dass ein Wert außerhalb der Toleranz lag, und die Frage nach dem Warum unbeantwortet.
Ein in der Praxis tragfähiger Kompromiss sieht so aus: Endwerte dauerhaft über die gesamte Aufbewahrungsfrist, vollständige Kurven für einen begrenzten Zeitraum von einigen Monaten, und darüber hinaus dauerhaft nur die Kurven auffälliger Vorgänge sowie die sicherheitsrelevanter Schraubfälle. Damit bleibt die Analysefähigkeit für den aktuellen Prozess erhalten, ohne dass das Volumen über Jahre mitwächst.
Wer Kurven auswertet, kommt schnell an die Grenze der Grenzwertprüfung. Eine Toleranzprüfung meldet nach dem Fehler, eine Musterprüfung auf dem Verlauf kann davor auffällig werden. Wie das über eine lernende Auswertung funktioniert, zeigt der Beitrag zur Kurvenausreißererkennung mit Curve Anomaly AI.
Die häufigste Fehlannahme in diesem Feld ist, dass die steuerrechtliche Frist die maßgebliche sei. Sie ist es nicht. Schraubdaten sind keine Buchungsbelege, und die Fristen, die tatsächlich binden, kommen aus Produkthaftung, Qualitätsmanagementnorm und Kundenvertrag.
| Grundlage | Fundstelle | Wirkung auf Schraubdaten |
|---|---|---|
| Produkthaftung | § 13 ProdHaftG | Ansprüche verjähren zehn Jahre nach Inverkehrbringen. Ohne Nachweis in diesem Zeitraum fehlt die Entlastungsmöglichkeit |
| EU-Produkthaftung neu | Richtlinie (EU) 2024/2853 | Umsetzung in nationales Recht bis 9. Dezember 2026, mit erweiterten Anforderungen an die Dokumentation des Herstellers |
| Qualitätsmanagement | IATF 16949 Abschnitt 7.5.3.2.1 | Aufzeichnungen sind für die Dauer der Produktion und des Servicebedarfs plus ein Kalenderjahr aufzubewahren, sofern der Kunde nichts anderes fordert |
| Rückverfolgbarkeit | IATF 16949 Abschnitt 8.5.2 | Der Nachweis muss den betroffenen Umfang im Reklamationsfall eingrenzen können, was eine bauteilscharfe Zuordnung voraussetzt |
| Kundenanforderung | Customer Specific Requirements | OEM-Verträge fordern für sicherheitsrelevante Verbindungen regelmäßig längere Fristen als das Gesetz |
| Steuerrecht | § 147 Abs. 3 AO, § 257 HGB | Für Buchungsbelege acht Jahre seit dem 1. Januar 2025, für sonstige Unterlagen sechs Jahre. Für Schraubdaten selten die bindende Grenze |
Aus dieser Aufstellung folgt eine einfache Regel: Legen Sie die Aufbewahrung an der längsten bindenden Anforderung aus, nicht an der kürzesten. In der Automobilzulieferung ist das in der Regel die Kundenanforderung, in der Medizintechnik die regulatorische Vorgabe für das Produkt, und in keinem der beiden Fälle das Steuerrecht. Eine vollständige Übersicht der Fristenlandschaft steht im Beitrag zu den Aufbewahrungsfristen nach HGB, DSGVO und GoBD.
Zwei Randbedingungen werden oft übersehen. Die Frist läuft ab Inverkehrbringen, nicht ab Fertigung, was bei Lagerhaltung einen erheblichen Unterschied macht. Und die neue EU-Produkthaftungsrichtlinie, die bis zum 9. Dezember 2026 in nationales Recht zu überführen ist, verschärft die Dokumentationsseite. Was Hersteller dabei konkret erwartet, behandelt der Beitrag zur EU-Produkthaftungsrichtlinie.
Der teuerste DenkfehlerDie Annahme, dass ein Schrauber mit Protokollfunktion das Schraubdatenmanagement bereits erledigt. Das Werkzeug erzeugt den Messwert, aber es kennt die Seriennummer des Bauteils nicht und es kennt die Aufbewahrungsfrist nicht. Die Folge: Nach dem Rollout liegen Millionen Datensätze vor, die im ersten Reklamationsfall keine einzige Frage beantworten, weil der Bauteilbezug fehlt. Die Nacherfassung ist dann nicht möglich, weil die Bauteile das Werk längst verlassen haben. |
Die folgenden fünf Brüche treten unabhängig von Branche und Betriebsgröße auf. Bemerkenswert ist, dass keiner von ihnen ein technisches Problem im engeren Sinn ist. Alle fünf entstehen aus einer Festlegung, die nicht getroffen wurde.
| Symptom | Eigentliche Ursache | Was zu tun ist |
|---|---|---|
| Werte vorhanden, Bauteil nicht ermittelbar | Kein durchgehender Primärschlüssel über Werkerführung, Prüfung und Archiv | Seriennummer oder Charge vor der Anbindung als Pflichtfeld je Station festlegen |
| Cpk je Schraublage nicht berechenbar | Werte mehrerer Schraublagen laufen unter einer gemeinsamen Kennung | Schraublagen eindeutig nummerieren und die Nummer in jedem Datensatz führen |
| Kalibrierstatus im Nachhinein unklar | Werkzeug-ID wird nicht mitgeschrieben oder nicht mit der Prüfmittelverwaltung verknüpft | Werkzeug-ID als Pflichtfeld setzen und gegen die Prüfmittelhistorie abgleichen |
| Nacharbeit verfälscht die Statistik | Erstanzug und Nachanzug werden nicht unterschieden | Nachanzug kennzeichnen und in der Fähigkeitsberechnung getrennt behandeln |
| Alte Vorgänge nicht mehr auskunftsfähig | Daten wurden mit dem Altsystem abgeschaltet oder aus Platzgründen gelöscht | Aufbewahrungskonzept vor der Systemablösung schreiben, nicht danach |
Der letzte Punkt ist der teuerste, weil er unbemerkt bleibt. Eine Systemablösung wird nach Aufwand und Lizenzkosten bewertet, selten nach Auskunftsfähigkeit. Wird das Altsystem abgeschaltet, ohne dass die Schraubdaten in eine unabhängige Aufbewahrung überführt wurden, endet die Nachweiskette an diesem Datum, während die Aufbewahrungsfrist weiterläuft. Wie eine Ablösung ohne diesen Verlust geplant wird, beschreibt der Beitrag zum Ablösen von Legacy-Systemen.
Ein Muster über alle fünf Punkte: Der Fehler wird beim Rollout gemacht und im Reklamationsfall bemerkt, mit einem Abstand von oft mehr als einem Jahr. Diese Verzögerung ist der Grund, warum die Punkte so verlässlich wiederkehren. Es gibt keine schnelle Rückmeldung, die sie korrigieren würde.
Die folgenden acht Fragen klären in etwa einer Stunde, ob Ihre Nachweiskette trägt. Jede Frage hat ein klares Ausschlusskriterium. Ein einziges erfülltes Ausschlusskriterium bedeutet, dass die Kette an dieser Stelle nicht belastbar ist.
| Nr. | Prüffrage | Ausschlusskriterium |
|---|---|---|
| 1 | Können Sie zu einer beliebigen Seriennummer alle Anziehvorgänge ausgeben? | Die Abfrage braucht mehr als einen Arbeitstag |
| 2 | Steht in jedem Datensatz die Schraublage eindeutig? | Mehrere Schraublagen laufen unter derselben Kennung |
| 3 | Ist die Werkzeug-ID im Datensatz und mit der Kalibrierhistorie verknüpft? | Der Kalibrierstatus zum Anziehzeitpunkt ist nicht belegbar |
| 4 | Sind Erstanzug und Nachanzug unterscheidbar? | Beide laufen als gleichwertige Vorgänge in dieselbe Statistik |
| 5 | Ist der zugehörige Parametersatz mit Version referenziert? | Es ist unklar, gegen welchen Sollwert bewertet wurde |
| 6 | Sind die Datensätze nach dem Schreiben unveränderlich? | Werte lassen sich ohne Protokolleintrag korrigieren |
| 7 | Reicht die Aufbewahrung über die längste bindende Frist? | Die Frist orientiert sich an der Kapazität der Datenbank |
| 8 | Bleibt der Zugriff nach einer Systemablösung erhalten? | Die Auskunft hängt am Weiterbetrieb des Altsystems |
Führen Sie die Prüfung an einem Vorgang aus dem Vorjahr durch, den Sie nicht vorbereitet haben, und nicht an einem aktuellen aus der laufenden Woche. Der aktuelle Vorgang liegt noch im Produktivsystem und beantwortet damit die eigentliche Frage nicht. Prüfer wählen aus demselben Grund alte Vorgänge.
Fällt die Prüfung an Frage eins durch, beginnen Sie beim Schlüssel und nicht bei der Messtechnik. Fällt sie an Frage sieben oder acht durch, ist es ein Thema der Archivierungsarchitektur und gehört zur IT, nicht zur Qualitätssicherung. Die Zuordnung der Zuständigkeit entscheidet hier über die Bearbeitungsdauer.
Das Manufacturing OS von MOS ist die integrierte Plattform, auf der Prozessdatenerfassung, Werkerführung, Prüfung, revisionssichere Archivierung und KI-Anomalieerkennung auf einer gemeinsamen Datenbasis arbeiten. Für Schraubdaten sind die Module IPM für die Prozessdaten, QST für Prüfung und Werkzeugprüfung und CHRONOS für die Langzeitaufbewahrung zuständig.
Der architektonische Kern ist die Seriennummer als durchgehender Primärschlüssel. Weil alle Module auf derselben Basis arbeiten, entsteht die Zuordnung nicht über eine Schnittstelle zwischen getrennten Systemen, sondern liegt bereits im Datenmodell. Damit fällt der Bruchpunkt weg, an dem die meisten Nachweisketten reißen.
Eine Einordnung gehört dazu. Die Plattform ersetzt kein Schraubsystem und keine Kalibrierung. Sie ersetzt auch nicht die Festlegung, welche Schraubfälle welcher Klasse zugeordnet sind, denn diese Entscheidung bleibt eine fachliche. Was sie leistet, ist die durchgängige Kette von der Anbindung bis zur Auskunft. Details zur Erfassungsseite stehen auf der Seite zum Prozessdatenmanagement mit IPM, die Auswertung von Kurvenmustern auf der Seite zur Anomalieerkennung.
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GESPRÄCH VEREINBAREN Schraubdaten je Seriennummer, ohne SonderprojektAn einem Ihrer Schraubfälle: Anbindung des Werkzeugs, Zuordnung zur Seriennummer und die Auskunft zu einem Vorgang aus dem Vorjahr. Termin vereinbaren |
Schraubdatenmanagement bezeichnet die durchgängige Erfassung, Zuordnung, Bewertung und revisionssichere Aufbewahrung aller Messwerte eines Anziehvorgangs über seinen gesamten Lebenszyklus. Es geht über die Protokollierung am Werkzeug hinaus, weil es den Datensatz an Seriennummer, Schraublage, Werkzeug-ID und Parametersatz bindet und über die geforderte Frist abrufbar hält. Der Unterschied zeigt sich erst im Reklamationsfall: Erfasste Werte ohne Zuordnung liefern keinen Nachweis.
Sechs Felder tragen den Nachweis: Seriennummer oder Charge des Bauteils, eindeutige Schraublage, Ist-Drehmoment mit Sollwert und Toleranz, Ist-Drehwinkel bei drehwinkelgesteuerten Verbindungen, Werkzeug-ID und maschinengesetzter Zeitstempel. Dazu kommen IO-Entscheid, Kennzeichnung als Erst- oder Nachanzug und die Version des freigegebenen Parametersatzes. Welche Felder je Schraubfallklasse verpflichtend sind, regelt VDI/VDE 2862.
Für den reinen Konformitätsnachweis reicht in vielen Fällen der Endwert mit Sollwert und Toleranz. Für die Ursachenanalyse reicht er nicht, weil zwei Verschraubungen mit identischem Endmoment vollständig unterschiedliche Verläufe haben können. Ein gangbarer Weg ist, den Endwert dauerhaft und den Verlauf für einen begrenzten Zeitraum vollständig zu speichern und darüber hinaus nur bei Auffälligkeiten oder für sicherheitsrelevante Schraubfälle.
Die bindende Frist ergibt sich in der Praxis nicht aus dem Steuerrecht, sondern aus Produkthaftung und Kundenvertrag. Nach § 13 ProdHaftG verjähren Ansprüche zehn Jahre nach Inverkehrbringen. IATF 16949 Abschnitt 7.5.3.2.1 verlangt die Aufbewahrung für die Dauer der Produktion und des Servicebedarfs plus ein Kalenderjahr, sofern der Kunde nichts anderes fordert. Customer Specific Requirements gehen für sicherheitsrelevante Verbindungen regelmäßig darüber hinaus. Legen Sie die Frist an der längsten bindenden Anforderung aus.
Über offene Standards, nicht über Herstellerformate. OPC UA ist der breiteste Weg, weil viele Schraubsysteme und Steuerungen einen Server mitbringen. REST und MQTT eignen sich für neuere Systeme und für Kurvendaten mit hohem Volumen. Herstellerprotokolle bleiben für Altanlagen oft die einzige Option, erzeugen aber je Hersteller und Gerätegeneration einen eigenen Adapter, den Sie dauerhaft pflegen. Entscheidend ist, dass alle Wege in dasselbe Datenmodell münden.
Weil der Messwert ohne Zuordnung keine Frage beantwortet, die im Reklamationsfall gestellt wird. Die Frage lautet nie, welche Drehmomente in Kalenderwoche 14 gemessen wurden, sondern welche Anziehvorgänge zu genau diesem Bauteil gehören und ob sie in Ordnung waren. Nur ein durchgehender Primärschlüssel über Werkerführung, Prüfung und Archivierung macht diese Auskunft möglich. Fehlt er, liegt eine Datensammlung vor, aber kein Nachweis.
Der schnellste Test ist eine Stichprobe: Lassen Sie sich zu einer zufällig gewählten Seriennummer aus dem Vorjahr alle Anziehvorgänge mit Sollwert, Istwert, Werkzeug-ID und Kalibrierstatus ausgeben. Dauert das länger als einige Minuten oder müssen Werte aus mehreren Systemen zusammengesucht werden, ist die Nachweiskette nicht belastbar. Prüfer stellen genau diese Frage, und sie stellen sie an einem Vorgang, den Sie nicht vorbereitet haben.
Sie sind der häufigste stille Verlust bei einer Abschaltung. Wird ein Altsystem außer Betrieb genommen, verschwindet oft auch die Auskunftsfähigkeit über die dort gespeicherten Vorgänge, obwohl die Aufbewahrungsfrist weiterläuft. Der Nachweis hängt dann am Weiterbetrieb einer Software, die niemand mehr pflegt. Ein Aufbewahrungskonzept mit revisionssicherer Archivierung muss deshalb vor der Ablösung stehen, nicht danach.