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IT-Leiter und Systemtechnikerin prüfen ein Legacy-System im Serverraum eines Fertigungsbetriebs
Korbinian Hermann4.9.202614 min read

Legacy-Systeme erfolgreich ablösen: Kosten, Risiken und sichere Wege

Es gibt in fast jedem produzierenden Unternehmen ein System, das niemand mehr braucht und niemand abschalten darf. Fachlich leistet es nichts mehr. Die Prozesse sind längst umgezogen. Trotzdem verlängert die IT jedes Jahr die Datenbanklizenz, trotzdem steht der Server im Rack, und trotzdem hängt alles an dem einen Kollegen, der das Ding noch versteht und in zwei Jahren in Rente geht. Der Grund für dieses Weiterlaufen ist selten ein technischer. Es ist die Angst, an die eigenen Daten nicht mehr heranzukommen. Genau diese Angst ist auflösbar, und wer sie auflöst, spart nicht nur Geld, sondern gewinnt die Auskunftsfähigkeit zurück, die im Audit zählt.

DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE
  • Ein Legacy-System ist keine Frage des Alters, sondern des Verhältnisses aus geschäftskritischer Bedeutung und eingeschränkter Pflegbarkeit.
  • Die sechs klarsten Warnsignale sind fehlender Herstellersupport, Abhängigkeit von einzelnen Personen, teure Speziallizenzen, fehlende Schnittstellen, ungepatchte Sicherheitslücken und Medienbrüche zu anderen Systemen.
  • Die teuersten Positionen stehen in keiner Lizenzrechnung: gebundenes Spezialwissen, blockierte Modernisierung und der Rechercheaufwand bei Prüfungsanfragen.
  • Für den Umgang mit einem Altsystem gibt es drei Wege: Migration, Datenübernahme mit Stilllegung oder revisionssichere Archivierung bei Abschaltung der Anwendung.
  • Ein Backup ersetzt keine Ablösung. Es sichert Systeme, nicht Informationen, und liefert im Prüfungsfall keinen auswertbaren Zugriff.
  • Aufbewahrungspflichten nach § 147 AO, GoBD und Kundenvorgaben lassen sich erfüllen, ohne das Altsystem am Leben zu halten.

 

Was ist ein Legacy-System?

Ein Legacy-System ist eine veraltete Softwareanwendung, die weiterhin im produktiven Einsatz ist, obwohl ihre Technologie, ihr Wartungsmodell oder ihre Integrationsfähigkeit nicht mehr dem aktuellen Stand entsprechen. Der Begriff beschreibt keinen Zeitpunkt, sondern ein Verhältnis: geschäftskritische Bedeutung auf der einen Seite, eingeschränkte Pflegbarkeit auf der anderen.

Deshalb führt das Alter als Kriterium in die Irre. Ein zwanzig Jahre altes System, das sauber gewartet wird, dokumentierte Schnittstellen hat und vom Hersteller unterstützt wird, ist kein Legacy-System. Ein fünf Jahre altes System ohne Support, ohne Anbindungsmöglichkeit und mit genau einem Menschen im Haus, der es versteht, kann bereits eines sein.

In der Fertigung trifft das typischerweise auf vier Kategorien zu:

  • Prozessdatenbanken, die über Jahre gewachsen sind und Messwerte in proprietären Strukturen halten
  • ältere MES- und CAQ-Anwendungen auf nicht mehr unterstützten Datenbankplattformen
  • proprietäre Maschinensteuerungs- und Datenerfassungssysteme einzelner Anlagenhersteller
  • selbst entwickelte Insellösungen, deren Entwickler das Unternehmen längst verlassen haben

Diese Legacy-Systeme halten fast immer genau die Daten, die aus Compliance-Gründen langfristig verfügbar bleiben müssen. Und sie werden allein deshalb weiterbetrieben. Das ist der Kern des Problems und gleichzeitig der Ansatzpunkt für die Lösung.

 

Die 6 Warnsignale eines ablösereifen Altsystems

Nicht jedes ältere System muss abgelöst werden. Entscheidend ist, ob mehrere Warnsignale zusammentreffen. Ein einzelnes Signal ist kein Handlungsgrund, drei oder mehr sind einer. Wie ein Altsystem schleichend zum Kostentreiber wird, zeigt sich fast immer an dieser Kombination und ist in einem eigenen Beitrag ausführlich beschrieben.

  1. Kein Herstellersupport mehr. Sicherheitsupdates und Fehlerbehebungen entfallen, das System bleibt auf dem letzten Stand eingefroren.
  2. Abhängigkeit von einzelnen Personen. Nur noch ein oder zwei Mitarbeitende verstehen das System. Mit ihrem Weggang geht Wissen unwiederbringlich verloren.
  3. Teure Speziallizenzen. Datenbank- oder Laufzeitlizenzen verursachen jährlich hohe Kosten, ohne dass neuer Nutzen entsteht.
  4. Fehlende Schnittstellen. Das System lässt sich nicht oder nur über Umwege an ERP, MES oder moderne Analysewerkzeuge anbinden.
  5. Sicherheitslücken ohne Patch. Bekannte Schwachstellen bleiben offen, weil der Hersteller nicht mehr liefert.
  6. Medienbrüche. Daten müssen manuell übertragen, exportiert oder abgetippt werden, was Fehlerrisiken und Aufwand erzeugt.

Die Warnsignale verstärken sich gegenseitig. Fehlender Support führt zu Sicherheitslücken, Sicherheitslücken führen zur Isolation des Systems im Netzwerk, die Isolation führt zu Medienbrüchen, und Medienbrüche binden Personal. Wer erst reagiert, wenn alle sechs Punkte zutreffen, hat die günstigen Handlungsoptionen bereits verloren.

 

Warum Altsysteme weiterlaufen, obwohl sie fachlich nichts mehr leisten

Der häufigste Zustand ist nicht das aktiv genutzte Altsystem, sondern der Read-Only-Betrieb: Die Prozesse laufen im neuen System, das alte bleibt eingeschaltet, weil die Historie darin liegt. Zwei Blockaden halten diesen Zustand bei einem Legacy-System aufrecht.

Die sichtbare Blockade ist das Migrationsrisiko. Eine Datenübernahme wirkt gefährlich. Die Sorge, dabei Daten zu beschädigen oder zu verlieren, führt zur bequemeren Entscheidung, das System einfach weiterlaufen zu lassen. Diese Entscheidung wird nie getroffen, sie wird jedes Jahr aufs Neue nicht getroffen.

Die unsichtbare Blockade ist die Compliance-Seite. Kommt eine Aufsichts- oder Prüfungsanfrage, beginnt die Suche in Altsystemen, Exporten und Tabellen. In der Praxis ist das eine Rechercheaufgabe von Tagen bis Wochen. Was auf dem Papier eine erfüllte Aufbewahrungspflicht war, wird im Ernstfall zum teuren Sonderprojekt. Das Altsystem erzeugt also nicht Auskunftsfähigkeit, es simuliert sie.

Hinzu kommt ein struktureller Grund: Der Abschaltzeitpunkt ist nie der richtige. Es gibt immer ein laufendes Projekt, eine bevorstehende Prüfung, einen Personalwechsel. Das Ergebnis ist, dass das System weitere fünf Jahre läuft, während das Problem wächst. Wie sich diese Entscheidung strukturiert treffen lässt, beschreibt der 5-Stufen-Plan zum Abschalten von Legacy-Systemen in der Fertigung.

 

Was ein Legacy-System wirklich kostet

Die sichtbaren Kosten eines Altsystems sind nur ein Teil der Rechnung, und meist der kleinere. Weit schwerer wiegen die Positionen, die in keiner Lizenzrechnung stehen und deshalb in keinem Budgetgespräch auftauchen.

Sichtbare und versteckte Kostenpositionen eines Legacy-Systems
Kostenart Sichtbarkeit Konkretes Beispiel
Lizenz- und Wartungsgebühren sichtbar Jährliche Datenbank- und Supportverträge, auch bei minimaler Nutzung
Betriebskosten der Infrastruktur sichtbar Server, Storage und Backup für ein selten genutztes System
Gebundenes IT-Personal versteckt Spezialwissen, das nicht für Weiterentwicklung frei ist
Integrationsaufwand versteckt Manuelle Datenübertragung zwischen Alt- und Neusystem
Rechercheaufwand bei Prüfungen versteckt Tage bis Wochen pro Aufsichts- oder Auditanfrage
Opportunitätskosten versteckt Blockierte Modernisierung, verzögerte Cloud- und ERP-Projekte
Risikokosten versteckt Mögliche Ausfälle, Compliance-Verstöße, Datenverlust
Wissensrisiko versteckt Steigende Marktpreise für Kompetenz in abgekündigten Technologien

 

Der größte Einzelhebel: Datenbanklizenzen

Viele Legacy-Anwendungen setzen auf lizenzpflichtige Datenbanken, deren Kosten auch dann weiterlaufen, wenn das System fachlich nichts mehr leistet. Der entscheidende Punkt: Für die reine Aufbewahrung aufbewahrungspflichtiger Daten braucht es keine hochverfügbare Produktionsdatenbank. Wird der Bestand in eine revisionssichere Archivierung überführt, entfällt die Notwendigkeit, die ursprüngliche Datenbank samt Lizenzen weiter zu betreiben. Aus einem laufenden, lizenzpflichtigen Produktivsystem wird ein ruhender, kostengünstig archivierter Bestand. Wie stark Datenbanklizenzen die IT-Kosten in der Fertigung treiben, zeigt unser Beitrag dazu im Detail.

EINORDNUNG DER ZAHLEN

Belastbare Branchendurchschnitte für Legacy-Betriebskosten existieren nicht, weil Systemlandschaften zu unterschiedlich sind. Verlässlich ist nur die eigene Rechnung: Lizenzkosten, Infrastrukturkosten und Personentage pro Jahr für ein System, das fachlich nichts mehr leistet. In CSP Projekterfahrung ist die Position Datenbanklizenz dabei fast immer die größte und gleichzeitig die am schnellsten abbaubare.

 

 

Welche Risiken der Weiterbetrieb erzeugt

Der Weiterbetrieb eines Legacy-Systems erzeugt drei Risikoklassen, die sich gegenseitig verstärken.

Wartungsrisiken entstehen, weil Ersatzteile, Fachwissen und Herstellersupport wegfallen. Ein Ausfall ist dann nicht mehr planbar reparierbar, sondern ein offenes Projekt mit unbekannter Dauer.

Sicherheitsrisiken entstehen, weil ungepatchte Systeme angreifbar sind und meist nicht mehr in moderne Schutzkonzepte passen. Die verbreitete Antwort darauf ist Netzsegmentierung, also Isolation. Das senkt das Angriffsrisiko und erhöht gleichzeitig die Medienbrüche.

Compliance-Risiken entstehen, weil sich Nachweispflichten mit einem instabilen, kaum bedienbaren System immer schwerer erfüllen lassen. Diese Dimension wird am stärksten unterschätzt. Wenn ein Prüfer die lückenlose Historie eines Produkts sehen will und das System, das diese Daten hält, nur noch von einer Person bedient werden kann, wird aus einem technischen Problem ein regulatorisches.

Der Unterschied zu anderen IT-Risiken liegt im Zeitverhalten. Das Risiko eines Legacy-Systems sinkt nicht durch Abwarten und es bleibt auch nicht konstant. Es wächst monoton, weil Support, Wissen und Ersatzteilverfügbarkeit nur in eine Richtung laufen.

 

Ablösen, migrieren oder archivieren? Die drei Wege im Vergleich

Für den Umgang mit einem Altsystem gibt es drei grundsätzliche Wege. Welcher passt, hängt an einer einzigen Frage: Wird die fachliche Funktion noch gebraucht oder nur noch die Daten? Die Entscheidung fällt nicht pro System, sondern pro Datenbereich. In der Praxis kommen in einem Projekt oft zwei Wege parallel zum Einsatz.

Die drei Wege im Umgang mit einem Legacy-System und ihre Eignung
Weg Wann sinnvoll Ergebnis Typischer Aufwand
Migration in ein neues System Funktion und Daten werden weiter aktiv gebraucht Altsystem wird vollständig ersetzt, Prozesse laufen im Neusystem hoch
Datenübernahme und Stilllegung Funktion entfällt, aktuelle Daten werden weiter benötigt Relevante Daten wandern ins Zielsystem, Altsystem wird abgeschaltet mittel
Revisionssichere Archivierung Nur die Aufbewahrungspflicht bleibt bestehen Daten werden zugriffssicher archiviert, Anwendung wird abgeschaltet gering

Der häufigste Planungsfehler beim Ablösen eines Legacy-Systems ist die Annahme, es müsse immer der erste Weg sein. Eine vollständige Migration historischer Daten in ein neues ERP- oder MES-System ist teuer, verlängert das Projekt und erzeugt im Zielsystem einen Datenbestand, den dort niemand braucht. Wenn die Anforderung lautet, dass Daten aufbewahrt und auskunftsfähig bleiben müssen, ist der dritte Weg der günstigste und der technisch saubere.

 

Warum ein Backup keine Ablösung ist

Viele Unternehmen halten das Problem für gelöst, sobald ein Backup existiert. Das ist der häufigste und teuerste Irrtum beim Ablösen von Altsystemen.

Ein Backup sichert ein System. Eine Archivierung sichert Informationen. Der Unterschied wird in dem Moment relevant, in dem die ursprüngliche Anwendung nicht mehr existiert: Die Datenbanksicherung ist dann noch vorhanden, aber ohne die Anwendungslogik, die Feldnamen interpretiert und Beziehungen auflöst, ist sie nicht mehr auswertbar. Die Daten existieren technisch und sind praktisch nicht mehr nutzbar.

Backup und revisionssichere Archivierung im direkten Vergleich
Kriterium Backup Revisionssichere Archivierung
Zweck Wiederherstellung eines Systems Langfristige Verfügbarkeit von Informationen
Auslegung Disaster Recovery Aufbewahrungs- und Nachweispflichten
Format meist proprietär und systemgebunden langfristig lesbar, systemunabhängig
Unveränderbarkeit nicht garantiert zugesichert und protokolliert
Zugriff im Prüfungsfall nur über Rücksicherung des Systems gezielte Abfrage einzelner Vorgänge
Zeithorizont kurz- bis mittelfristig Jahre bis Jahrzehnte

Die Abgrenzung im Detail behandelt unser Beitrag zu Backup und Archivierung im Vergleich. Für die Ablösung ist nur eine Konsequenz wichtig: Ein Backup macht ein Altsystem nicht abschaltbar. Es macht seine Abschaltung nur weniger gefährlich.

 

Application Retirement: die Ablösung in 6 Schritten

Application Retirement bezeichnet die geordnete Stilllegung einer Anwendung, deren Daten weiterhin aufbewahrt und zugänglich bleiben müssen. Die Reihenfolge der Schritte ist nicht beliebig. Wer einen überspringt, riskiert Datenverlust oder ungeplante Zusatzkosten.

  1. Bestandsaufnahme. Welche Daten, Funktionen und Schnittstellen sind vorhanden, und was davon wird tatsächlich noch gebraucht? Das Ergebnis ist eine Liste pro Datenbereich, nicht pro System.
  2. Aufbewahrungspflichten klären. Welche Daten müssen wie lange und in welcher Form verfügbar bleiben? Hier entscheidet sich der Umfang des gesamten Projekts.
  3. Zielbild festlegen. Migration, Datenübernahme oder Archivierung, je Datenbereich getrennt entschieden.
  4. Datenübernahme vorbereiten. Struktur, Formate und Prüfregeln definieren, damit die Vollständigkeit später nachweisbar ist und nicht behauptet werden muss.
  5. Umsetzung und Prüfung. Daten übernehmen oder archivieren, dann Vollständigkeit und Lesbarkeit verifizieren und das Ergebnis protokollieren.
  6. Abschaltung. Erst wenn alle Daten gesichert und geprüft sind, wird das Altsystem stillgelegt und die Lizenz gekündigt.
DER EIGENTLICHE MEILENSTEIN

Der kritische Punkt ist nicht Schritt 5, sondern die Abnahme darin. Eine Datenübernahme gilt erst als erfolgreich, wenn Vollständigkeit und Lesbarkeit gegen definierte Prüfregeln belegt und dokumentiert sind. Ohne dieses Protokoll bleibt die Abschaltung eine Vertrauensfrage, und Vertrauensfragen werden in Unternehmen zugunsten des Weiterbetriebs entschieden.

 

 

Was mit den Altdaten passiert: aufbewahren, löschen, beweisen

Der Knackpunkt bei der Ablösung eines Legacy-Systems sind die Daten. Drei Pflichten treffen dabei auf denselben Bestand: Bestimmte Daten müssen aufbewahrt werden, andere müssen fristgerecht gelöscht werden, und im Ernstfall müssen Sie beides beweisen können.

Die Fristen ergeben sich nicht aus einem einheitlichen Archivierungsgesetz, sondern aus mehreren Rechtsgebieten gleichzeitig. § 147 AO verlangt für steuerlich relevante Aufzeichnungen eine Aufbewahrung von zehn Jahren, die GoBD fordern dabei maschinelle Auswertbarkeit über die gesamte Frist. Für qualitätsrelevante Produktdaten im Automotive-Umfeld sind in Kundenvereinbarungen 15 Jahre und länger verbreitet. Die DSGVO folgt der umgekehrten Logik und schreibt Höchstfristen mit aktiver Löschpflicht vor. Die vollständige Übersicht nach Norm und Datenkategorie liefert unser Beitrag zu Aufbewahrungsfristen nach HGB, DSGVO und GoBD.

Für die Ablösung folgt daraus eine praktische Anforderung, die viele Archivkonzepte nicht erfüllen: Der Bestand muss gleichzeitig unveränderbar und selektiv löschbar sein. Unveränderbar, damit der Nachweis Bestand hat, und selektiv löschbar, damit personenbezogene Daten fristgerecht entfernt werden können, ohne den restlichen Nachweis zu beschädigen. Welche Kriterien eine Software dafür erfüllen muss, behandelt unser Beitrag zur Auswahl einer revisionssicheren Archivierung. Die Anforderungen aus Sicht der Finanzverwaltung fasst der Beitrag zur GoBD-konformen Archivierung zusammen.

HÄUFIGER FEHLER

Das Altsystem wird sicherheitshalber weiterbetrieben, weil niemand die Verantwortung übernehmen will, es abzuschalten. Damit verlängert sich jede Kostenposition unbegrenzt, während das eigentliche Ziel, die dauerhafte Verfügbarkeit und Nachweisbarkeit der Daten, mit einer Archivierung günstiger und sicherer erreichbar wäre.

 

 

Wie das Manufacturing OS Altsysteme ablöst

Das Manufacturing OS von CSP ist die Plattform, mit der produzierende Unternehmen Prozessdaten, Qualitätssicherung, Werkerführung und revisionssichere Archivierung auf einer gemeinsamen Datenbasis führen. Für die Ablösung eines Legacy-Systems sind zwei Komponenten entscheidend, weil sie die beiden Datenarten trennen, die im Altsystem vermischt liegen.

Beitrag der Komponenten des CSP Manufacturing OS zur Legacy-Ablösung
Komponente Übernimmt Ergebnis
IPM Prozessdatenmanagement die aktiven Prozess- und Qualitätsdaten Die fachliche Funktion des Altsystems läuft in einer anbindungsfähigen Struktur weiter
CHRONOS Archivierung die historischen, nur noch aufbewahrungspflichtigen Daten Daten bleiben aufbewahrbar, fristgerecht löschbar und beweisbar, ohne das Altsystem

Der praktische Effekt liegt in der Entkopplung: Historische Informationen hängen nicht mehr davon ab, dass eine alte Anwendung betrieben wird. Fachbereiche greifen ohne IT-Ticket auf archivierte Daten zu, und die Abschaltung des Altsystems wird von einer Vertrauensfrage zu einer Projektentscheidung. Technische Details zur Archivierungsseite zeigt der Beitrag zur zukunftssicheren Datenbankarchivierung mit CHRONOS. Unternehmen wie die BMW Group, Mercedes-Benz, MAN Truck & Bus, Knorr-Bremse und Stadler Rail setzen CSP Lösungen in ihrer Qualitätssicherung ein.

SELBST-CHECK: IST IHR ALTSYSTEM ABSCHALTBAR?
  • Wir wissen, welche Daten aus dem Altsystem weiterhin benötigt werden, und zwar pro Datenbereich.
  • Für jeden dieser Datenbereiche ist die Aufbewahrungsfrist dokumentiert.
  • Historische Daten sind unabhängig vom Ursprungssystem lesbar und auswertbar.
  • Backup-Strategie und Archivierungsstrategie sind klar getrennt.
  • Wir haben ein dokumentiertes Löschkonzept, das steuerliche Fristen und DSGVO-Pflichten synchronisiert.
  • Ein Prüfer könnte einen einzelnen Vorgang aus dem Jahr 2015 ohne Rücksicherung abrufen.
  • Die Datenübernahme wäre gegen definierte Prüfregeln abnehmbar und protokollierbar.
  • Nach der Abschaltung entfällt die Datenbanklizenz des Altsystems tatsächlich.

Je mehr Punkte offen bleiben, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Legacy-System auch im nächsten Budgetjahr weiterläuft. Die offenen Punkte sind zugleich die Arbeitsliste: Sie beschreiben genau die Schritte 1 bis 4 aus dem Abschnitt zum Application Retirement.

 

 

Häufige Fragen

Was ist ein Legacy-System?

Ein Legacy-System ist eine veraltete, aber weiterhin geschäftskritische Softwareanwendung, deren Wartung, Weiterentwicklung oder Integration nur noch mit hohem Aufwand möglich ist. Entscheidend ist nicht das Alter, sondern das Verhältnis aus Bedeutung und eingeschränkter Pflegbarkeit. In der Fertigung betrifft das typischerweise Prozessdatenbanken, ältere MES- oder CAQ-Anwendungen, proprietäre Maschinendatenerfassung und selbst entwickelte Insellösungen.

Woran erkennt man ein Legacy-System?

An der Kombination mehrerer Warnsignale: fehlender Herstellersupport, Abhängigkeit von einzelnen Personen, teure Speziallizenzen, fehlende Schnittstellen, ungepatchte Sicherheitslücken und Medienbrüche zu anderen Systemen. Ein einzelnes Signal ist kein Handlungsgrund, drei oder mehr sind einer.

Wie lässt sich ein Legacy-System ablösen?

In sechs Schritten: Bestandsaufnahme der Daten, Funktionen und Schnittstellen, Klärung der Aufbewahrungspflichten, Festlegung des Zielbilds je Datenbereich, Vorbereitung der Datenübernahme mit definierten Strukturen und Prüfregeln, Umsetzung mit Verifikation von Vollständigkeit und Lesbarkeit und abschließende Stilllegung, sobald alle Daten geprüft gesichert sind.

Kann man bestehende Altsysteme migrieren oder muss man neu starten?

Beides ist möglich, ein kompletter Neustart ist selten nötig. Wird die fachliche Funktion weiterhin gebraucht, ist eine Migration sinnvoll. Wird nur noch die Aufbewahrung benötigt, reicht eine Datenübernahme mit Stilllegung oder eine revisionssichere Archivierung der Altdaten bei Abschaltung der Anwendung.

Wie senkt man die Betriebskosten eines Legacy-Systems?

Am wirksamsten durch Abschaltung. Werden die aufbewahrungspflichtigen Daten in eine revisionssichere Archivierung überführt, entfallen Lizenz-, Wartungs- und Infrastrukturkosten des Altsystems. Für die reine Langzeitaufbewahrung braucht es keine hochverfügbare, lizenzpflichtige Produktionsdatenbank. In CSP Projekterfahrung liegt der größte Einzelhebel meist bei den Datenbanklizenzen.

Wie werden Daten aus einem Altsystem verlustfrei übernommen?

Durch eine vorbereitete Datenübernahme mit definierten Strukturen, Formaten und Prüfregeln. Vollständigkeit und Lesbarkeit werden nach der Übernahme verifiziert und protokolliert, bevor das Altsystem abgeschaltet wird. Die Abnahme ist der eigentliche Meilenstein, nicht die Extraktion.

Reicht ein Backup aus, um Legacy-Daten langfristig zu sichern?

Nein. Ein Backup dient der technischen Wiederherstellung eines Systems und ist an dessen Struktur und Format gebunden. Ohne die ursprüngliche Anwendung lassen sich die Informationen oft nicht mehr interpretieren. Für Aufbewahrungspflichten und Prüfungsanfragen braucht es eine Archivierung, die Daten unabhängig vom Ursprungssystem lesbar, durchsuchbar und auswertbar hält.

Was passiert mit den Altdaten nach der Ablösung?

Aufbewahrungspflichtige Daten werden revisionssicher archiviert, sodass sie aufbewahrbar, fristgerecht löschbar und jederzeit beweisbar bleiben. Nicht aufbewahrungspflichtige Daten werden nach dokumentiertem Löschkonzept entfernt. Das Altsystem selbst muss dafür nicht weiterlaufen.

Wie lange dauert eine Legacy-Ablösung?

Das hängt von Datenmenge, Systemkomplexität und gewähltem Weg ab. Eine reine Archivierung mit anschließender Abschaltung ist deutlich schneller als eine vollständige Migration. Den Zeitrahmen bestimmen in der Praxis vor allem die Bestandsaufnahme und die Klärung der Aufbewahrungspflichten, nicht die technische Extraktion.

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Korbinian Hermann
CEO, CSP Intelligence GmbH
Verantwortet Strategie und innovative Softwarelösungen für die produzierende Industrie.
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