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QMS Software für die Fertigung: Qualitätsingenieurin prüft Prozessdaten an einer Montagelinie
Korbinian Hermann30.10.202615 min read

QMS Software für die Fertigung: Funktionen, Normen und Auswahl 2026

Ein Kunde reklamiert ein Bauteil aus dem Frühjahr. Die erste Frage ist schnell gestellt: Welche Seriennummern liefen mit demselben Schraubprogramm, an derselben Station, in derselben Schicht? Im Qualitätshandbuch steht, wie so ein Fall abzuarbeiten ist. Die Antwort selbst steht dort nicht.

Sie liegt in Prozessdaten, verteilt auf Steuerung, Prüfstand und ERP. An genau dieser Stelle zeigt sich, ob eine QMS Software für die Fertigung gebaut wurde oder für die Dokumentenablage.

DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE
  • QMS Software für die Fertigung verbindet die klassischen Aufgaben eines Qualitätsmanagementsystems, also Dokumente, Audits und Maßnahmen, mit den Prozess und Prüfdaten jedes gefertigten Teils.
  • Ein dokumentenzentriertes QMS deckt die Systemforderungen der ISO 9001 ab. Für Rückverfolgbarkeit auf Seriennummer, wie sie IATF 16949 und ISO 13485 verlangen, braucht es Daten direkt aus der Linie.
  • Die wichtigsten Auswahlkriterien sind das Datenmodell, die Schnittstellen zu MES, ERP und Maschinen, die revisionssichere Archivierung und die Validierbarkeit der Software.
  • Die EU Mitgliedstaaten müssen die neue Produkthaftungsrichtlinie (EU) 2024/2853 bis zum 9. Dezember 2026 umsetzen. Legt ein Hersteller angeordnete Beweismittel nicht vor, wird die Fehlerhaftigkeit des Produkts vermutet.

QMS Software für die Fertigung: Qualitätsingenieurin prüft Prozessdaten an einer Montagelinie

KURZ ZUSAMMENGEFASST
  • Beginnen Sie die Auswahl mit den Fragen, die Ihr QMS in einer Reklamation beantworten muss, nicht mit einer Funktionsliste.
  • QMS, MES und ERP brauchen einen gemeinsamen Schlüssel, in der Serienfertigung meist die Seriennummer.
  • Am sichersten gelingt die Einführung über eine Pilotlinie mit vorher festgelegten Abnahmekriterien.

 

Was ist ein Qualitätsmanagementsystem (QMS) und was leistet QMS Software in der Fertigung?

Ein Qualitätsmanagementsystem, kurz QMS, umfasst die Prozesse, Verantwortlichkeiten und Nachweise, mit denen ein Unternehmen sicherstellt, dass seine Produkte die Anforderungen von Kunden und Normen erfüllen. Die ISO 9001:2015 gliedert sich in zehn Abschnitte. Die eigentlichen Anforderungen stehen in den Abschnitten 4 bis 10, vom Kontext der Organisation bis zur Verbesserung.

QMS Software ist das Werkzeug, mit dem dieses System im Alltag läuft. In vielen Unternehmen heißt das: Dokumentenlenkung, Auditplanung, Reklamationen und Korrekturmaßnahmen liegen in einer Datenbank statt in Ordnern. In der Fertigung reicht das selten. Dort entstehen viele Qualitätsnachweise direkt an der Linie, etwa Drehmomente, Prüfergebnisse, Werkerbestätigungen und Materialchargen. Eine QMS Software für die Fertigung muss diese Daten erfassen oder sauber übernehmen und dem einzelnen Bauteil zuordnen.

Eine bestimmte Software schreibt die Norm nicht vor. Sie verlangt aber in Abschnitt 7.5 gelenkte dokumentierte Information, in Abschnitt 8.5.2 Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit, wo diese gefordert ist, und in Abschnitt 10.2 einen geregelten Umgang mit Nichtkonformitäten und Korrekturmaßnahmen. Je mehr Varianten, Stationen und Seriennummern eine Fertigung hat, desto schwerer lassen sich diese Forderungen ohne durchgängige Software erfüllen. Wie Rückverfolgbarkeit in der Praxis aufgebaut wird, zeigt der Beitrag zur Rückverfolgbarkeit in der Produktion.

Vier Eckdaten, die jede QMS Software in der Fertigung kennen muss
Wert Bedeutung Quelle
10 Abschnitte gliedern die ISO 9001:2015, die Anforderungen stehen in 4 bis 10 ISO 9001:2015
plus 1 Jahr Aufzeichnungen über die Dauer von Produktions und Ersatzteilbedarf hinaus aufbewahren IATF 16949:2016, 7.5.3.2.1
mind. 2 Jahre Aufbewahrung ab Freigabe, mindestens aber für die Lebensdauer des Medizinprodukts ISO 13485:2016, 4.2.5
9.12.2026 Umsetzungsfrist der neuen EU Produkthaftungsrichtlinie Richtlinie (EU) 2024/2853, Art. 22

 

Worin unterscheidet sich ein dokumentenzentriertes QMS von einem fertigungsnahen QMS?

Unter demselben Begriff laufen am Markt zwei Ansätze. Das dokumentenzentrierte QMS kommt aus der Verwaltung des Managementsystems. Es lenkt Verfahrensanweisungen, plant Audits, verfolgt Maßnahmen und verwaltet Schulungsnachweise. Das fertigungsnahe QMS setzt eine Ebene tiefer an: Es erfasst, was an der Station tatsächlich passiert ist, und hängt diese Daten an die Seriennummer des Bauteils.

Dokumentenzentriertes und fertigungsnahes QMS im Vergleich
Kriterium Dokumentenzentriertes QMS Fertigungsnahes QMS
Kernobjekt Dokument, Audit, Maßnahme Bauteil mit Seriennummer oder Charge
Datenquelle Eingaben von QM und Fachbereichen Steuerungen, Schraubsysteme, Prüfstände, Werker
Typische Frage Ist die Arbeitsanweisung freigegeben? Mit welchem Drehmoment wurde Teil X verschraubt?
Stärke im Audit Systemaudit nach ISO 9001 Produkt und Prozessaudit, Reklamationsanalyse
Grenze keine Aussage über das einzelne Teil ersetzt keine Dokumentenlenkung

Die beiden Ansätze schließen sich nicht aus. Viele Fertiger betreiben für Handbuch und Audits ein bestehendes System und ergänzen es um eine fertigungsnahe Datenschicht. Probleme entstehen, wenn ein Unternehmen ein dokumentenzentriertes Werkzeug kauft und erwartet, damit Rückverfolgbarkeit auf Teileebene zu bekommen. Dafür fehlt solchen Systemen meist die Anbindung an die Linie.

Praxisfehler: Die Auswahl beginnt mit einer Funktionsliste aus dem Internet. Spielen Sie stattdessen drei echte Reklamationen der letzten zwölf Monate durch und schreiben Sie auf, welche Daten zur Klärung gefehlt haben. Diese Lücken sind Ihr eigentliches Lastenheft.

 

Welche Funktionen braucht QMS Software für die Fertigung wirklich?

Die folgende Matrix ordnet jeder Funktion zu, was sie in einer Serienfertigung leisten muss und auf welche Normstelle sie einzahlt. Sie eignet sich als Grundgerüst für ein Lastenheft.

Funktionen einer QMS Software für die Fertigung mit Normbezug
Funktion Was sie in der Fertigung leisten muss Normbezug
Dokumentenlenkung Freigabe, Versionierung und Verteilung von Arbeitsanweisungen bis an den Arbeitsplatz ISO 9001, 7.5
Rückverfolgbarkeit Prozess, Prüf und Materialdaten der Seriennummer oder Charge zuordnen ISO 9001, 8.5.2; IATF 16949, 8.5.2.1
Prozessdatenerfassung Messwerte automatisch aus Steuerungen, Schraub und Prüfsystemen übernehmen IATF 16949, 8.5.1.1
Reklamation und Maßnahmen Betroffenen Umfang eingrenzen, Ursachen analysieren, Wirksamkeit prüfen ISO 9001, 10.2; IATF 16949, 10.2.3
Prüfmittelmanagement Kalibrierstatus überwachen, Prüfmittel bei Ablauf sperren ISO 9001, 7.1.5
Statistische Prozesslenkung Regelkarten führen, Prozessfähigkeit berechnen, bei Trends warnen IATF 16949, 9.1.1.1
Archivierung Daten über die geforderte Frist revisionssicher aufbewahren IATF 16949, 7.5.3.2.1; ISO 13485, 4.2.5
Audit Trail Änderungen an Daten und Parametern mit Zeitstempel und Benutzer protokollieren 21 CFR Part 11, § 11.10 (US Medizintechnik)

Für Dokumentenlenkung und Maßnahmenmanagement gibt es viele ausgereifte Lösungen. Den Unterschied machen in der Fertigung zwei Zeilen: Rückverfolgbarkeit und Prozessdatenerfassung. Hier zeigt sich, ob die Software im Reklamationsfall eine Antwort in Minuten liefert oder ob jemand die Daten aus Schraubsteuerung, Prüfstand und ERP von Hand zusammensuchen muss.

 

Prozessdaten als Grundlage für Prognosen

Sobald Prozessdaten sauber und vollständig am Bauteil hängen, lassen sie sich auch vorausschauend nutzen. Statt nur Fehler zu dokumentieren, erkennt das System Muster, die einem Fehler vorausgehen. Wie das funktioniert, erklärt der Beitrag Was ist Predictive Quality. Ohne verlässliche Datenbasis bleibt dieser Schritt allerdings Theorie.

 

 

Wie arbeitet QMS Software mit MES und ERP zusammen?

Die Rollen lassen sich klar trennen. Das ERP plant Aufträge, Material und Kosten. Das MES steuert und dokumentiert die Ausführung in der Fertigung. Das QMS bewertet die Qualität und lenkt die Reaktion auf Abweichungen. In der Praxis überlappen die Systeme, weil viele ERP Systeme eigene Qualitätsmodule mitbringen und manche MES Prüfmerkmale verwalten.

Damit die drei Systeme gemeinsam eine Reklamation beantworten können, brauchen sie einen gemeinsamen Schlüssel. In der Serienfertigung ist das die Seriennummer, in der Prozessindustrie die Charge. Fehlt dieser Schlüssel, entstehen manuelle Abgleiche in Tabellen, und die sind im Audit schwer zu verteidigen. Welche Pflichtfelder ein tragfähiges Datenmodell braucht, beschreibt der Beitrag zum Datenmodell für Rückverfolgbarkeit.

Welche Daten ERP, MES und Linie an die QMS Software liefern
System Führt Liefert an die QMS Software
ERP Aufträge, Material, Lieferanten Auftragsnummer, Materialcharge, Lieferant
MES Arbeitsfolgen, Stationen, Zeiten Station, Zeitstempel, Werker, Arbeitsschritt
Steuerung und Prüfsystem Prozessparameter und Messungen Drehmoment, Winkel, Messwerte, Prüfergebnis

Für die Anbindung an Maschinen haben sich offene Protokolle wie OPC UA und MQTT etabliert, für den Austausch mit ERP und MES meist REST Schnittstellen. Fragen Sie bei jeder Datenquelle, ob der Anbieter sie mit einem dieser Standards anbindet oder ob ein individuelles Projekt nötig wird. Mehr zur Architektur steht im Beitrag zur MES und ERP Integration im Qualitätsmanagement.

 

Kann das ERP das Qualitätsmanagement übernehmen?

Für Wareneingangsprüfung, Prüfpläne und Qualitätsmeldungen reichen ERP Qualitätsmodule oft aus. Schwieriger wird es bei hochfrequenten Prozessdaten aus der Linie. Aus CSP Kundenprojekten zeigt sich, dass Schraubkurven, Messreihen und Werkerbestätigungen pro Bauteil schnell Datenmengen erzeugen, für die ein ERP weder gebaut noch lizenziert ist. Sinnvoll ist deshalb eine Arbeitsteilung: Das ERP bleibt führend für Auftrag und Material, die fertigungsnahe QMS Software führt die Prozess und Prüfdaten.

 

Welche Normen muss QMS Software abdecken (ISO 9001, IATF 16949, ISO 13485)?

Welche Normen relevant sind, hängt von der Branche ab. Die Tabelle fasst die Forderungen zusammen, die sich direkt auf Software und Daten auswirken.

Normen und Regelwerke mit direktem Bezug zur QMS Software
Regelwerk Geltungsbereich Forderung mit Softwarebezug
ISO 9001:2015 branchenübergreifend gelenkte dokumentierte Information (7.5), Rückverfolgbarkeit wo gefordert (8.5.2), Korrekturmaßnahmen (10.2)
IATF 16949:2016 Automobilindustrie und Zulieferer Aufbewahrung für Produktions und Ersatzteilbedarf plus ein Kalenderjahr (7.5.3.2.1), Rückverfolgbarkeit (8.5.2.1), Problemlösung (10.2.3)
ISO 13485:2016 Medizintechnik Validierung der im QMS eingesetzten Software (4.1.6), Aufbewahrung mindestens für die Lebensdauer des Produkts, nicht unter zwei Jahren ab Freigabe (4.2.5)
VDI/VDE 2862 Blatt 1 Schraubtechnik Einteilung von Schraubfällen in die Risikoklassen A, B und C mit daraus abgeleiteten Anforderungen an Überwachung und Dokumentation
Richtlinie (EU) 2024/2853 alle Hersteller im EU Markt Software gilt als Produkt, Offenlegungspflicht für Beweismittel, Umsetzung bis 9.12.2026

Für Medizintechnikhersteller kommt ein Punkt hinzu, der in Auswahlprojekten leicht untergeht: ISO 13485 verlangt in Abschnitt 4.1.6, dass Hersteller die Software validieren, die sie für ihr QMS einsetzen, und zwar risikobasiert. Fragen Sie deshalb schon in der Auswahl nach Validierungsunterlagen des Anbieters. Wie revisionssichere Archivierung in der Medizintechnik umgesetzt wird, zeigt der Beitrag zu Software in der Medizintechnik.

Neu ist die Produkthaftung. Die Richtlinie (EU) 2024/2853 ersetzt die Regelung von 1985 und muss bis zum 9. Dezember 2026 in nationales Recht umgesetzt sein. Sie gilt für Produkte, die nach diesem Stichtag in Verkehr gebracht werden, und behandelt Software ausdrücklich als Produkt. Für das Qualitätsmanagement ist vor allem die Offenlegung relevant: Legt ein Hersteller angeordnete Beweismittel nicht vor, wird die Fehlerhaftigkeit des Produkts vermutet. Prozessdaten, die niemand findet, werden damit zum Haftungsrisiko.

Was Auditoren konkret sehen wollen, beschreiben die Beiträge zum Audit Trail in der Fertigung und zu Audit Reports für Prüfer. Einen Plan für die Nachweiskette in vier Wochen finden Sie im Beitrag zur Audit Readiness in der Fertigung.

Ein QMS ist im Audit genau so gut wie die Antwort, die es zu einem einzelnen Bauteil geben kann.

 

Wie wählen Sie die passende QMS Software aus?

Eine Übersicht über Anbieter und ihre Schwerpunkte liefert der Vergleich von Qualitätsmanagement Software. Bevor Sie Anbieter vergleichen, lohnt sich ein Auswahlpfad in sieben Schritten. Er sorgt dafür, dass Sie Systeme an Ihren eigenen Anforderungen messen und nicht an Prospekten.

  1. Reklamationsfälle durchspielen. Nehmen Sie drei reale Fälle und notieren Sie, welche Daten gefehlt haben und wie lange die Eingrenzung gedauert hat.
  2. Datenmodell prüfen. Fragen Sie, welcher Schlüssel Bauteil, Prozess, Prüfung und Material verbindet, und lassen Sie sich das an einem Ihrer eigenen Teile zeigen.
  3. Schnittstellen klären. Listen Sie Steuerungen, Schraubsysteme, Prüfstände, MES und ERP auf. Prüfen Sie für jede Quelle, ob der Anbieter sie standardmäßig anbindet.
  4. Herstellerunabhängigkeit bewerten. Viele Linien nutzen Werkzeuge mehrerer Hersteller. Eine Software, die nur eine Marke versteht, hinterlässt Lücken.
  5. Archivierung festlegen. Klären Sie, wie die Software Daten über Jahre hält, ohne dass die Produktionsdatenbank wächst und langsamer wird.
  6. Validierung und Audit Trail nachweisen lassen. Bitten Sie um Validierungsunterlagen und ein Beispiel für ein Änderungsprotokoll.
  7. Pilot mit Abnahmekriterien vereinbaren. Legen Sie vorab messbare Kriterien fest, etwa die Zeit bis zur Eingrenzung eines Reklamationsfalls.

 

Was kostet QMS Software und wann rechnet sie sich?

Eine seriöse Pauschalzahl gibt es nicht. Die Kosten hängen davon ab, wie viele Stationen und Datenquellen angebunden werden, welche Module gebraucht werden und ob eine Validierung nötig ist. Hilfreicher als ein Listenpreis ist ein Blick auf die einzelnen Kostenblöcke.

Kostenblöcke einer QMS Software für die Fertigung
Kostenblock Treiber Worauf Sie achten sollten
Lizenz oder Abonnement Nutzer, Stationen, Module Wird nach Nutzern oder nach angebundenen Stationen abgerechnet?
Schnittstellen Zahl und Art der Datenquellen Standardprotokolle senken den Aufwand pro Station
Einführung Prozessaufnahme, Konfiguration Festpreis für die Pilotlinie vereinbaren
Validierung regulierte Branchen wie Medizintechnik Vorhandene Validierungsunterlagen des Anbieters nutzen
Betrieb Hosting, Updates, Archivspeicher Speicherkosten für die volle Aufbewahrungsfrist einrechnen

Für die Wirtschaftlichkeit rechnen Sie am besten mit eigenen Zahlen: Kosten für Nacharbeit und Ausschuss, Stunden pro Reklamationsanalyse, Aufwand für die Auditvorbereitung und gesperrte Bestände, solange der betroffene Umfang unklar ist. Wenn eine Reklamation heute zwei Tage Datensuche bindet, lässt sich das direkt in Stunden und Sperrbeständen ausdrücken. Welche Kennzahlen dafür taugen, beschreibt der Beitrag zum KPI Design für Qualitätsmanager. Einen Überblick über Methoden und Fehlerkosten der Qualitätskontrolle gibt der Beitrag Qualitätskontrolle in der Fertigung.

 

Wie gelingt die Einführung in 90 Tagen?

Die folgende Aufteilung ist ein Vorgehensmodell für eine Pilotlinie. Sie setzt voraus, dass die Software ausgewählt ist und die Linie ihre Daten elektronisch bereitstellt. Bei Linien mit vielen Altanlagen ohne Schnittstelle dauert die Anbindung länger.

Vorgehensmodell für die Einführung an einer Pilotlinie
Zeitraum Ziel Ergebnis
Tag 1 bis 30 Istaufnahme und Datenmodell Liste aller Datenquellen, festgelegter Schlüssel, Abnahmekriterien
Tag 31 bis 60 Anbindung und Konfiguration Stationen angebunden, Prüfmerkmale und Grenzwerte hinterlegt, Rollen eingerichtet
Tag 61 bis 90 Parallelbetrieb und Abnahme Reklamationsfall im neuen System durchgespielt, Schulung abgeschlossen, Entscheidung über den Rollout

Planen Sie den Parallelbetrieb bewusst ein. In dieser Phase laufen alte Dokumentation und neue Software nebeneinander, und Abweichungen zwischen beiden zeigen, wo Datenpunkte fehlen oder falsch zugeordnet sind. Beziehen Sie die Werker früh ein. Wenn eine Station plötzlich eine Bestätigung verlangt, die vorher niemand gebraucht hat, braucht es eine Erklärung, warum. Weitere Erfahrungen aus Digitalisierungsprojekten finden Sie im Beitrag zur digitalen Qualitätssicherung in der Fertigung.

 

Wie setzt das Manufacturing OS von CSP Qualitätsmanagement in der Fertigung um?

Das Manufacturing OS von CSP setzt beim fertigungsnahen Teil des Qualitätsmanagements an. Es verbindet Maschinen, Prozesse und Qualitätsdaten in einem System und arbeitet mit bestehenden Lösungen für Handbuch und Audits zusammen. Die Module lassen sich einzeln oder gemeinsam einsetzen.

  • IPM für das Prozessdatenmanagement: MES Funktionen, ERP Schnittstellen und QMS Workflows auf gemeinsamer Datenbasis, die Seriennummer als durchgehender Schlüssel, Anbindung über OPC UA und REST. Mehr dazu auf der Seite zu IPM, dem modularen Qualitätsmanagement.
  • QST für die Qualitätssicherung und Werkzeugprüfung in der Schraubtechnik.
  • PG für die digitale Werkerführung: schritt und variantengesteuert, mit Abweichungserfassung samt Zeitstempel und Werker ID.
  • CHRONOS für die revisionssichere Langzeitarchivierung mit GoBD, MDR und IATF konformer Aufbewahrung. Fachbereiche greifen ohne IT Ticket auf archivierte Daten zu.

CSP ist seit 1991 auf Software für die Fertigung spezialisiert und arbeitet herstellerunabhängig, also mit Werkzeugen und Steuerungen verschiedener Anbieter. Zu den Anwendern gehören die BMW Group, MAN Truck & Bus und Stadler Rail. Wie Stadler Rail die Drehgestellmontage mit digitaler Werkerführung absichert, zeigt die Anwendergeschichte aus dem Schienenfahrzeugbau.

 

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Häufig gestellte Fragen

Was ist ein Qualitätsmanagementsystem (QMS) in der Fertigung?

Ein QMS in der Fertigung umfasst die Prozesse, Verantwortlichkeiten und Nachweise, mit denen ein Hersteller sicherstellt, dass seine Produkte die Anforderungen erfüllen. Neben Dokumenten und Audits gehören dazu die Prozess und Prüfdaten, die an der Linie für jedes Bauteil entstehen.

Was ist der Unterschied zwischen QMS Software und MES?

Ein MES steuert und dokumentiert die Ausführung der Fertigung, also Arbeitsfolgen, Stationen und Zeiten. Eine QMS Software bewertet die Qualität, verwaltet Prüfmerkmale und lenkt die Reaktion auf Abweichungen. Beide brauchen einen gemeinsamen Schlüssel wie die Seriennummer, damit sie im Reklamationsfall zusammen eine Antwort liefern.

Welche QMS Software eignet sich für die Automobilindustrie?

Für Automobilzulieferer muss die Software die Forderungen der IATF 16949 abbilden, vor allem Rückverfolgbarkeit nach Abschnitt 8.5.2.1, Problemlösung nach 10.2.3 und die Aufbewahrung von Aufzeichnungen nach 7.5.3.2.1. In der Schraubtechnik kommt die Einteilung nach VDI/VDE 2862 Blatt 1 hinzu. Wichtig ist in der Praxis die direkte Anbindung an Schraubsysteme und Prüfstände.

Braucht man für ISO 9001 eine QMS Software?

Nein, die ISO 9001 schreibt keine bestimmte Software vor. Sie verlangt gelenkte dokumentierte Information, Rückverfolgbarkeit wo gefordert und einen geregelten Umgang mit Korrekturmaßnahmen. In Fertigungen mit vielen Varianten und Seriennummern lassen sich diese Forderungen ohne Software aber kaum wirtschaftlich erfüllen.

Wie lange müssen Qualitätsdaten aufbewahrt werden?

Das hängt vom Regelwerk ab. Die IATF 16949 verlangt die Aufbewahrung für die Dauer von Produktions und Ersatzteilbedarf plus ein Kalenderjahr, sofern Kunde oder Behörde nichts anderes fordern. Die ISO 13485 verlangt mindestens die Lebensdauer des Medizinprodukts, aber nicht unter zwei Jahren ab Freigabe.

Kann ein ERP System das Qualitätsmanagement übernehmen?

Für Wareneingangsprüfung, Prüfpläne und Qualitätsmeldungen reichen ERP Qualitätsmodule oft aus. Für hochfrequente Prozessdaten aus der Linie wie Schraubkurven und Messreihen pro Bauteil ist ein ERP in der Regel nicht ausgelegt. Bewährt hat sich eine Arbeitsteilung zwischen ERP und fertigungsnaher QMS Software.

Wie lange dauert die Einführung einer QMS Software?

Für eine Pilotlinie, deren Anlagen Daten elektronisch bereitstellen, ist ein Vorgehen in drei Phasen über rund 90 Tage realistisch planbar: Istaufnahme, Anbindung und Parallelbetrieb mit Abnahme. Altanlagen ohne Schnittstelle verlängern die Anbindung.

Was ändert die neue EU Produkthaftungsrichtlinie für das Qualitätsmanagement?

Die Richtlinie (EU) 2024/2853 muss bis zum 9. Dezember 2026 umgesetzt sein und gilt für Produkte, die danach in Verkehr gebracht werden. Sie behandelt Software als Produkt und sieht vor, dass die Fehlerhaftigkeit vermutet wird, wenn ein Hersteller angeordnete Beweismittel nicht offenlegt. Schnell auffindbare Prozessdaten werden damit Teil der Haftungsvorsorge.


Quellen und Normen

  • ISO 9001:2015, Qualitätsmanagementsysteme, Anforderungen, Abschnitte 7.1.5, 7.5, 8.5.2 und 10.2
  • IATF 16949:2016, Anforderungen an Qualitätsmanagementsysteme für die Serien und Ersatzteilproduktion in der Automobilindustrie, Abschnitte 7.5.3.2.1, 8.5.1.1, 8.5.2.1, 9.1.1.1 und 10.2.3
  • ISO 13485:2016, Medizinprodukte, Qualitätsmanagementsysteme, Abschnitte 4.1.6 und 4.2.5
  • VDI/VDE 2862 Blatt 1, Mindestanforderungen zum Einsatz von Schraubsystemen und Schraubwerkzeugen
  • US FDA, 21 CFR Part 11, Electronic Records; Electronic Signatures, § 11.10
  • Richtlinie (EU) 2024/2853 über die Haftung für fehlerhafte Produkte, Art. 2 und Art. 22 (EUR Lex, CELEX 32024L2853)
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Korbinian Hermann
CEO, CSP Intelligence GmbH
Verantwortet Strategie und innovative Softwarelösungen für die produzierende Industrie.
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