Angenommen, ein Kunde reklamiert eine lose Verschraubung an einer Baugruppe, die vor drei Jahren gefertigt wurde. Das ERP weiß, an wen sie geliefert wurde. Das MES weiß, auf welcher Linie und in welcher Schicht sie lief. Welches Drehmoment der Schrauber an Station 40 tatsächlich aufgebracht hat, steht in keinem der beiden Systeme.
An dieser Stelle zeigt sich, ob Software für die Fertigung als zusammenhängende Architektur geplant wurde oder als Sammlung einzelner Programme gewachsen ist. Dieser Beitrag ordnet die Systemklassen, zeigt, wo zwischen ihnen Daten verloren gehen, und beschreibt, wie Sie die passende Kombination für Ihre Produktion auswählen.
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Was ist Software für die Fertigung? Definition und Abgrenzung
Software für die Fertigung ist jede Anwendung, die Fertigungsaufträge plant, ihre Ausführung steuert, Prozess und Qualitätsdaten erfasst oder diese Daten für Nachweise aufbewahrt. Die Begriffe Fertigungssoftware, Produktionssoftware und Industriesoftware werden in der Praxis weitgehend synonym verwendet. Gemeint ist immer die Software, die zwischen kaufmännischer Planung und Maschine arbeitet.
Nicht dazu zählen Werkzeuge für die Produktentwicklung im engeren Sinn, etwa CAD. PLM Systeme, die Produktdaten über den Lebenszyklus verwalten, ordnet das Ebenenmodell nach ISA 95 der obersten Planungsebene zu, gemeinsam mit dem ERP. Sie liefern der Fertigung Stammdaten, steuern sie aber nicht.
Wie weit die deutsche Industrie mit dieser Software ist, hat der Digitalverband Bitkom 2026 in einer repräsentativen Befragung von 555 Industrieunternehmen ab 100 Beschäftigten untersucht. Die Zahlen zeigen eine Lücke zwischen Einsatz und Reife:
| Kennzahl | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Unternehmen mit mindestens einer Industrie 4.0 Anwendung | 97 % | Bitkom Studienbericht Industrie 4.0, 2026 |
| Unternehmen, deren Digitalisierung laut eigener Aussage durch die Konjunktur gebremst wird | 58 % | Bitkom Studienbericht Industrie 4.0, 2026 |
| Unternehmen, die sich bei Industrie 4.0 eher als Nachzügler sehen | 50 % | Bitkom Studienbericht Industrie 4.0, 2026 |
| Unternehmen, die sagen, vielen Betrieben fehlen die Daten für Digitale Zwillinge | 57 % | Bitkom Studienbericht Industrie 4.0, 2026 |
Fast alle Betriebe setzen also digitale Werkzeuge ein, aber die Hälfte sieht sich im Rückstand, und mehr als die Hälfte nennt fehlende Daten als Hürde. Das ist kein Widerspruch. Es beschreibt genau die Situation, in der Software für die Fertigung zwar vorhanden ist, die Systeme aber nicht dieselbe Datenbasis teilen.
Welche Systemklassen gehören zur Fertigungssoftware?
Die Norm ISA 95, international als IEC 62264 veröffentlicht, beschreibt die Integration von Unternehmens und Steuerungssystemen in fünf Ebenen. Sie ist der gemeinsame Bezugsrahmen, mit dem sich jede Industriesoftware einordnen lässt. Die folgende Systemlandkarte ordnet die üblichen Systemklassen diesen Ebenen zu.
| Ebene nach ISA 95 | Aufgabe der Ebene | Typische Systeme | Zeithorizont der Daten |
|---|---|---|---|
| Level 4: Unternehmensplanung und Logistik | Was wird wann in welcher Menge produziert | ERP, PLM, PPS als ERP Modul | Tage bis Monate |
| Level 3: Fertigungsmanagement | Wie wird der Auftrag ausgeführt, geprüft und dokumentiert | MES, CAQ, Prozessdatenmanagement, digitale Werkerführung | Stunden |
| Level 2: Überwachung und Steuerung | Anlagen beobachten und regeln | SCADA, HMI | Minuten |
| Level 1: Erfassen und Stellen | Signale lesen, Aktoren schalten | SPS, Schraub und Prüfsteuerungen | Sekunden |
| Level 0: Physischer Prozess | Der eigentliche Fertigungsschritt | Sensoren, Aktoren | Millisekunden |
Ebenen nach ISA 95 / IEC 62264. Zeithorizonte nach der Darstellung der Automatisierungspyramide in der United Manufacturing Hub Wissensbasis. Zuordnung von CAQ und Werkerführung zu Level 3 nach ISA 95 Teil 3, der Quality Operations Management als Level 3 Aktivität führt.
Archivierung taucht in der Pyramide nicht als eigene Ebene auf. Sie betrifft alle Ebenen, weil Nachweise aus Level 1 bis Level 4 über Jahre lesbar bleiben müssen. Die einzelnen Systemklassen im Überblick:
ERP: die kaufmännische Klammer
Das ERP verwaltet Kundenaufträge, Material, Bestände und Kosten. Für die Fertigung ist es die Quelle der Fertigungsaufträge und Stücklisten und das Ziel der Rückmeldungen. Ein ERP kennt die Charge eines Bauteils, aber in der Regel nicht die Prozesswerte, mit denen es verbaut wurde.
PPS: Produktionsplanung und Steuerung
PPS Funktionen planen Kapazitäten, Termine und Reihenfolgen. In vielen Betrieben sind sie Teil des ERP, Feinplanung auf Maschinenebene übernimmt dann das MES. Wer nach Produktionsplanungssoftware sucht, sucht meist genau diese Funktion.
MES: die Ausführungsebene
Ein Manufacturing Execution System lastet Aufträge ein, erfasst Betriebs und Maschinendaten und meldet den Fortschritt an das ERP zurück. Welche Aufgaben dazugehören, beschreibt die VDI 5600 (nächster Abschnitt). Details zu Funktionen und Kosten finden Sie im Beitrag zu MES Software: Funktionen, Auswahl und Kosten.
CAQ: computergestützte Qualitätssicherung
CAQ Systeme verwalten Prüfpläne, Prüfmittel, Reklamationen und statistische Prozesslenkung. Sie bilden den Qualitätsmanagementprozess ab. Wie Sie ein solches System auswählen, beschreibt der Auswahlguide für QMS Software in der Fertigung.
Prozessdatenmanagement: die Werte hinter jedem Fügeprozess
Prozessdatenmanagement erfasst die Messwerte und Kurven einzelner Prozessschritte, etwa Drehmoment und Drehwinkel einer Verschraubung, Kraft und Weg beim Einpressen oder Ergebnisse einer elektrischen Prüfung. Die Daten werden pro Seriennummer gespeichert und sind die Grundlage für jeden späteren Nachweis. Wie Sie das aufbauen, zeigt der Beitrag Prozessdatenmanagement in der Fertigung richtig aufbauen.
Digitale Werkerführung: Anleitung am manuellen Arbeitsplatz
Werkerführung zeigt Mitarbeitenden variantengerecht, welcher Schritt als Nächstes kommt, prüft Eingaben und dokumentiert Abweichungen. Sie ist dort nötig, wo Menschen montieren und Fehler nicht durch Automatisierung ausgeschlossen werden. Grundlagen erklärt der Beitrag Digitale Werkerführung: Definition, Nutzen, Roadmap.
Archivierung: Nachweise über Jahre lesbar halten
Archivsysteme lagern Prozess und Qualitätsdaten aus produktiven Datenbanken aus, ohne dass sie unlesbar werden. Das betrifft Aufbewahrungspflichten ebenso wie die Performance der operativen Systeme. Mehr dazu im Beitrag zur revisionssicheren Archivierung in der Produktion.
Was ein MES nach VDI 5600 leisten soll
Der Begriff MES ist nicht geschützt, und Anbieter füllen ihn unterschiedlich. Einen herstellerunabhängigen Maßstab liefert die Richtlinie VDI 5600 Blatt 1 "Fertigungsmanagementsysteme" in der Ausgabe vom Oktober 2016. Sie beschreibt MES aufgabenorientiert und gliedert diese Sicht in zehn Aufgaben. Die Tabelle nennt die Aufgaben mit dem Kapitel der Richtlinie und eine Frage, die Sie jedem Anbieter dazu stellen sollten.
| Kapitel | MES Aufgabe | Frage an den Anbieter |
|---|---|---|
| 5.1 | Auftragsmanagement | Wie werden Aufträge aus dem ERP übernommen und zurückgemeldet? |
| 5.2 | Feinplanung und Feinsteuerung | Plant das System selbst oder übernimmt es den Plan aus dem ERP? |
| 5.3 | Betriebsmittelmanagement | Werden Werkzeuge und Prüfmittel mit Status und Prüffristen geführt? |
| 5.4 | Materialmanagement | Wird verbautes Material einer Seriennummer zugeordnet? |
| 5.5 | Personalmanagement | Wird die Qualifikation einer Person vor dem Arbeitsschritt geprüft? |
| 5.6 | Datenerfassung | Welche Daten werden direkt von der Steuerung gelesen, welche manuell eingegeben? |
| 5.7 | Leistungsanalyse | Welche Kennzahlen stehen in welcher Granularität zur Verfügung? |
| 5.8 | Qualitätsmanagement | Werden Prozesswerte gespeichert oder nur das Ergebnis Gut oder Schlecht? |
| 5.9 | Informationsmanagement | Wer findet welche Information in welcher Zeit wieder? |
| 5.10 | Energiemanagement | Werden Verbräuche je Anlage und Auftrag erfasst? |
Aufgaben und Kapitelnummern nach dem Inhaltsverzeichnis von VDI 5600 Blatt 1:2016-10. Die Fragen sind redaktionelle Empfehlungen.
Kein Betrieb braucht alle zehn Aufgaben in gleicher Tiefe. Für sicherheitskritische Montage zählen vor allem Datenerfassung, Qualitätsmanagement und Informationsmanagement. Für eine Fertigung mit vielen Rüstvorgängen stehen Feinplanung und Betriebsmittelmanagement im Vordergrund. Diese Gewichtung entscheidet die Auswahl stärker als die Länge einer Funktionsliste.
Wo die Lücke zwischen MES und Qualitätssicherung liegt
Ein MES dokumentiert in der Regel, dass ein Arbeitsschritt stattgefunden hat und mit welchem Ergebnis. Für viele Prozesse reicht das. Bei Fügeprozessen mit Sicherheitsrelevanz reicht es nicht, weil im Schadensfall nicht das Ergebnis Gut, sondern der Verlauf der Messwerte zählt.
Die IATF 16949, der Qualitätsmanagementstandard der Automobilindustrie, ergänzt die Rückverfolgbarkeit der ISO 9001 in Abschnitt 8.5.2.1. Verlangt werden unter anderem Rückverfolgungssysteme, mit denen sich fehlerhafte oder verdächtige Teile identifizieren und aussondern lassen, eine Aufbewahrung der Nachweise in einem Format, das die Reaktionszeiten des Kunden einhält, und eine serialisierte Kennzeichnung einzelner Produkte, wenn Kunde oder Regelwerk sie fordern. Für Schraubverbindungen konkretisiert die VDI/VDE 2862 die Anforderungen je nach Risikoklasse des Schraubfalls. Was die Klassen A, B und C bedeuten, erklärt der Beitrag zu VDI/VDE 2862 und den Schraubfallklassen.
PRAXISFEHLER: DIE KURVE BLEIBT IN DER STEUERUNGEin dokumentiertes Beispiel stammt aus dem Mercedes-Benz Werk Hamburg der damaligen Daimler AG. Laut einem Bericht des Fachmagazins Produktion wurden dort Prozessdaten aus der Achsmontage zuvor mit einem dateibasierten System erfasst, und Schraubkurven mussten aus dem internen Speicher der Anlage ausgelesen werden. Das Werk führte, zeitgleich mit dem Werk Stuttgart-Untertürkheim, die Prozessdatensoftware IPM von CSP ein, um die Basisdaten aus dem Produktionsprozess über das Netzwerk verfügbar zu machen. Das Muster ist typisch: Die Daten existieren, aber an einer Stelle, die für Auswertung und Nachweis nicht erreichbar ist. |
Die Lücke entsteht, weil für diese Daten kein System zuständig ist. Das MES betrachtet den Auftrag, das CAQ den Prüfplan, die Steuerung den einzelnen Zyklus. Wer die Prozesswerte seriennummerngenau über Jahre speichert, muss in der Architektur ausdrücklich festgelegt werden. Wie Sie das für Ihre Produktion klären, beschreibt der Leitfaden zur Rückverfolgbarkeit in der Produktion.
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Welche Software braucht welcher Fertigungstyp?
Die passende Fertigungssoftware hängt weniger von der Branche ab als von zwei Fragen: Wie hoch ist der Anteil manueller Arbeit, und wie streng sind die Nachweispflichten? Die folgende Matrix gibt eine Orientierung. Sie beruht auf Erfahrungen aus CSP Kundenprojekten und ersetzt keine Anforderungsanalyse im eigenen Werk.
| Fertigungstyp | ERP | MES | CAQ | Prozessdaten | Werkerführung | Archivierung |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Automatisierte Großserie, geringe Nachweispflicht | Pflicht | Pflicht | Pflicht | Optional | Optional | Empfohlen |
| Automatisierte Serie mit sicherheitskritischen Fügeprozessen | Pflicht | Pflicht | Pflicht | Pflicht | Optional | Pflicht |
| Manuelle Variantenmontage | Pflicht | Empfohlen | Pflicht | Empfohlen | Pflicht | Empfohlen |
| Kleinserie im Schienenfahrzeug, Luftfahrt oder Medizintechnikumfeld | Pflicht | Optional | Pflicht | Pflicht | Pflicht | Pflicht |
Einordnung aus CSP Kundenprojekten. Pflicht, Empfohlen und Optional beschreiben den typischen Bedarf, nicht regulatorische Vorgaben.
Auffällig ist die letzte Zeile. In der Kleinserie mit hohen Nachweispflichten lohnt sich ein vollständiges MES oft nicht, während Prozessdaten, Werkerführung und Archivierung zwingend sind. Hier kann eine digitale Werkerführung einen Teil der Ausführungssteuerung übernehmen, die sonst ein MES leisten würde.
Für die automatisierte Großserie gilt das Gegenteil: Das MES ist unverzichtbar, die Werkerführung spielt eine kleinere Rolle. Sobald jedoch einzelne Stationen sicherheitskritische Verschraubungen oder Pressungen enthalten, verschiebt sich der Bedarf in Richtung Prozessdaten und Archiv.
Wie Fertigungssoftware zusammenspielt: Schnittstellen und Datenhoheit
Fertigungssoftware erzeugt nur dann einen durchgängigen Nachweis, wenn jedes System weiß, welche Daten es liefert und welche es empfängt. ISA 95 beschreibt in Teil 5 die Transaktionen, mit denen Unternehmenssysteme auf Level 4 und Fertigungssysteme auf Level 3 Informationen austauschen. Für die Anbindung von Steuerungen und Maschinen hat sich OPC UA etabliert, international genormt als IEC 62541.
Die folgende Datenflusskette zeigt, an welcher Stelle welches System die Hoheit über die Daten hat:
| Schritt | System | Datenhoheit | Übergabe an |
|---|---|---|---|
| 1 | ERP | Fertigungsauftrag, Stückliste, Material | MES |
| 2 | MES | Einlastung, Status, Rückmeldung | Werkerführung, ERP |
| 3 | Werkerführung | Arbeitsschritt, Variante, Bestätigung, Abweichung | MES, Prozessdatenmanagement |
| 4 | Prozessdatenmanagement | Messwerte und Kurven je Seriennummer | CAQ, Archiv |
| 5 | CAQ | Prüfergebnisse, Prozessfähigkeit, Reklamation | ERP, Management |
| 6 | Archiv | Langfristige, lesbare Nachweise aller Ebenen | Audit, Reklamation |
Typische Aufgabenverteilung. In einzelnen Architekturen übernimmt ein System mehrere Schritte.
Zwei Regeln haben sich bewährt. Erstens: Jedes Datum hat genau ein führendes System. Doppelte Datenhaltung erzeugt Abweichungen, die im Audit schwer zu erklären sind. Zweitens: Die Seriennummer ist der durchgehende Schlüssel. Nur so lassen sich Auftrag, Werker, Material und Prozesswert auch nach Jahren einem Bauteil zuordnen.
Eine dritte Frage wird oft zu spät gestellt: Wem gehören die Daten, wenn der Hersteller eines Schraubsystems oder einer Steuerung wechselt? Wer Prozessdaten nur im Format eines Geräteherstellers speichert, bindet sich an diesen Hersteller. Warum das kein Komfortthema ist, beschreibt der Beitrag zur Herstellerunabhängigkeit in der Produktion.
Dieselbe Studie nennt die Hürden konkret: 57 Prozent der befragten Unternehmen sagen, dass vielen Betrieben die notwendigen Daten für Digitale Zwillinge fehlen, 48 Prozent sehen mangelnde IT Infrastruktur als Grund für das Scheitern. Für die Auswahl von Industriesoftware heißt das: Die Datenebene muss vor jedem Zukunftsprojekt stehen.
Die 6 häufigsten Fehler bei der Auswahl von Industriesoftware
Die folgenden Fehler beobachten wir in CSP Kundenprojekten immer wieder. Jeder ist vermeidbar, wenn er vor der Ausschreibung bekannt ist.
- Funktionslisten statt Prozesse vergleichen. Lastenhefte mit Hunderten Funktionen führen dazu, dass das System mit den meisten Haken gewinnt. Beschreiben Sie stattdessen die fünf bis zehn Prozesse, die das System sicher abbilden muss, und lassen Sie diese im Workshop am echten Teil vorführen.
- Die Datenebene unter dem MES ignorieren. Viele Auswahlprojekte enden auf Level 3. Ob die Kurve einer Verschraubung gespeichert wird, klärt dann niemand. Fragen Sie für jeden sicherheitsrelevanten Prozess, wo der Messwert in zehn Jahren liegt.
- Archivierung erst nach dem Go Live klären. Produktive Datenbanken wachsen mit jeder Seriennummer. Wer kein Auslagerungskonzept hat, zahlt später mit Performance oder Lizenzkosten. Die Archivierung gehört in die erste Architekturskizze.
- Sich an einen Gerätehersteller binden. Wenn Prozessdaten nur in der Software des Schrauber oder Steuerungsherstellers liegen, bestimmt dieser Hersteller künftige Investitionen. Verlangen Sie offene Schnittstellen und ein eigenes, herstellerneutrales Datenmodell.
- Den Shopfloor zu spät einbeziehen. Software, die am Arbeitsplatz zu viele Eingaben verlangt, wird umgangen. Lassen Sie Werker und Schichtführer die Bedienung testen, bevor der Vertrag unterschrieben ist.
- Altsysteme parallel weiterlaufen lassen. Ein neues System ersetzt selten alles. Ohne Abschaltplan bleiben alte Anwendungen nur für den Datenzugriff in Betrieb und verursachen Kosten. Wie Sie das planen, zeigt der Beitrag Legacy Systeme ablösen 2026.
Hinter allen sechs Fehlern steht dasselbe Muster: Die Auswahl orientiert sich am System statt an den Daten, die es liefern muss. Die Bitkom Studie 2026 liefert dazu den Hintergrund. 58 Prozent der befragten Unternehmen geben an, dass die wirtschaftliche Lage ihre Digitalisierung bremst. Fehlinvestitionen in Software, die später ergänzt oder ersetzt werden muss, kann sich in dieser Lage kaum ein Betrieb leisten.
In 5 Schritten zur passenden Software für die Fertigung
Die folgende Reihenfolge hat sich bewährt, um Fertigungssoftware auszuwählen, ohne bestehende Systeme unnötig zu ersetzen.
| Schritt | Was Sie tun | Ergebnis |
|---|---|---|
| 1. Nachweispflichten erfassen | Normen, Kundenanforderungen und Aufbewahrungsfristen je Produkt auflisten | Liste der Daten, die Sie nachweisen müssen |
| 2. Bestehende Systeme kartieren | Jedes vorhandene System einer ISA 95 Ebene zuordnen und seine Daten notieren | Systemlandkarte mit Lücken und Doppelungen |
| 3. Datenhoheit festlegen | Für jedes Datum das führende System bestimmen, Seriennummer als Schlüssel setzen | Datenflusskette wie im Abschnitt Integration |
| 4. Lücken priorisieren | Lücken nach Risiko bewerten, zuerst sicherheitskritische Prozesse schließen | Priorisierte Investitionsliste |
| 5. Pilot an einer Linie | Ein System an einer Linie mit echten Teilen testen, Werker einbeziehen, Archivierung mitplanen | Belastbare Entscheidung für den Rollout |
Vorgehensempfehlung aus CSP Kundenprojekten.
Schritt 2 liefert in den meisten Fällen eine Überraschung: Systeme, die niemand mehr aktiv nutzt, die aber noch Daten halten, und Prozesse, deren Werte in keiner Datenbank auftauchen. Für einen schnellen Überblick über den Live Zustand Ihrer Anlagen hilft der Beitrag zum Echtzeit Monitoring in der Fertigung.
Wenn ERP und MES bereits laufen, ist ein Austausch selten sinnvoll. In diesem Fall geht es darum, die Ebene darunter und das Archiv so anzubinden, dass bestehende Systeme weiterarbeiten. Was dabei für die Qualitätssicherung zu beachten ist, beschreibt der Beitrag zur MES ERP Integration im Qualitätsmanagement.
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VOR DER SYSTEMAUSWAHL Klären Sie zuerst Ihre DatenebeneBevor Sie Anbieter vergleichen: Das Whitepaper beschreibt, welche Prozessdaten Sie für Rückverfolgbarkeit und Audit brauchen und wie sie in eine bestehende Systemlandschaft passen. |
Wie das Manufacturing OS von CSP in die Fertigungssoftware passt
Das Manufacturing OS von CSP setzt auf Level 3 an, dort, wo in vielen Betrieben die Lücke zwischen MES und Qualitätssicherung liegt. Es ist kein ERP und keine Software für Produktionsplanung. Es arbeitet neben bestehenden ERP und MES Systemen und ergänzt sie um die Prozess und Nachweisebene. CSP entwickelt Software für die Fertigungsindustrie seit 1991.
| Modul | Aufgabe | Ebene |
|---|---|---|
| IPM | Prozessdatenmanagement: Erfassung, Parametermanagement und Auswertung von Prozessdaten je Seriennummer | Level 3 |
| QST | Qualitätssicherung und Werkzeugprüfung mit Prüfplänen und Nachweisen | Level 3 |
| PG | Digitale Werkerführung, schritt und variantengesteuert, mit Dokumentation von Abweichungen | Level 3 |
| CHRONOS | Revisionssichere Datenbankarchivierung, Daten bleiben für Fachbereiche lesbar | Ebenenübergreifend |
Die Module lassen sich einzeln oder als zusammenhängendes System einsetzen. Für die Anbindung nennt CSP unter anderem OPC UA, MQTT und XML Schnittstellen, unabhängig vom Hersteller der Schraub oder Prüftechnik.
Ein Beispiel aus der Praxis: Stadler Rail hat Prozessüberwachung, digitale Werkerführung und Archivierung in einem System zusammengeführt. CSP beziffert das Ergebnis in der Success Story Stadler Rail mit mehr als 75 Prozent weniger Nacharbeit und 90 Prozent weniger Einarbeitungszeit. Zu den Kunden zählen außerdem die BMW Group, Mercedes-Benz, MAN Truck & Bus und Knorr-Bremse.
Häufig gestellte Fragen zu Software für die Fertigung
Welche Software braucht ein Fertigungsunternehmen?
Fast jedes Fertigungsunternehmen braucht ein ERP für Aufträge, Material und Kosten sowie ein System für die Qualitätssicherung. Ob zusätzlich ein MES, Prozessdatenmanagement, digitale Werkerführung oder ein Archivsystem nötig sind, hängt vom Automatisierungsgrad und von den Nachweispflichten ab. Betriebe mit sicherheitskritischen Fügeprozessen, etwa in Automotive, Schienenfahrzeugbau oder Medizintechnik, brauchen in der Regel eine eigene Ebene für Prozessdaten, weil ERP und MES Messwerte und Kurven nicht seriennummerngenau speichern.
Was ist der Unterschied zwischen ERP und MES?
Das ERP plant auf Level 4 nach ISA 95, was wann in welcher Menge produziert wird, und verwaltet Material und Kosten. Das MES arbeitet auf Level 3 und steuert, wie ein Auftrag in der Fertigung ausgeführt wird: Einlastung, Rückmeldung, Betriebs und Maschinendaten. Das ERP rechnet in Tagen und Wochen, das MES in Stunden. Beide Systeme tauschen Aufträge und Rückmeldungen aus, ersetzen sich aber nicht.
Was ist der Unterschied zwischen MES und CAQ?
Ein MES steuert die Ausführung von Fertigungsaufträgen. Ein CAQ System verwaltet die Qualitätssicherung: Prüfpläne, Prüfmittel, statistische Prozesslenkung und Reklamationen. Die VDI 5600 zählt Qualitätsmanagement zwar zu den zehn MES Aufgaben, in der Praxis decken viele MES diese Aufgabe aber nur teilweise ab. Deshalb laufen in vielen Werken beide Systeme nebeneinander und tauschen Prüfergebnisse aus.
Welche CAQ und MES Systeme lassen sich in bestehende ERP Systeme integrieren?
Integrierbar sind Systeme, die den Austausch zwischen Level 3 und Level 4 nach ISA 95 über dokumentierte Schnittstellen unterstützen und Steuerungen über Standards wie OPC UA nach IEC 62541 anbinden. Fragen Sie im Auswahlprozess, welches System bei Aufträgen, Material und Prüfergebnissen jeweils führend ist, und lassen Sie sich eine bestehende Kopplung mit Ihrem ERP zeigen. Systeme, die nur proprietäre Formate eines Geräteherstellers verarbeiten, erschweren spätere Integrationen.
Brauche ich ein MES, wenn ich bereits ein ERP habe?
Nicht in jedem Fall. Ein ERP mit PPS Funktionen reicht oft aus, solange Aufträge grob geplant und Rückmeldungen manuell erfasst werden können. Ein MES lohnt sich, wenn Sie Maschinen in Echtzeit überwachen, Feinplanung auf Anlagenebene brauchen oder viele Rückmeldungen automatisieren wollen. In manuellen Kleinserien mit hohen Nachweispflichten kann eine digitale Werkerführung zusammen mit Prozessdatenmanagement einen Teil der MES Aufgaben übernehmen.
Was bedeutet herstellerunabhängige Fertigungssoftware?
Herstellerunabhängige Fertigungssoftware speichert Prozessdaten in einem eigenen, neutralen Datenmodell, statt sie im Format eines Schrauber, Press oder Steuerungsherstellers abzulegen. Dadurch können Sie Geräte verschiedener Hersteller an einer Linie betreiben und später wechseln, ohne die Datenhistorie zu verlieren. Für Rückverfolgbarkeit über viele Jahre ist das wichtig, weil Geräte meist kürzer im Einsatz sind als die Aufbewahrungsfrist der Daten.
Was kostet Software für die Fertigung?
Die Kosten hängen von Systemklasse, Anzahl der Linien und Integrationsaufwand ab und lassen sich nicht pauschal beziffern. Neben Lizenzen fallen Kosten für Hardware, Integration, Personal und Betrieb an, wie die Fraunhofer Gesellschaft in einer Veröffentlichung zu MES Einführungen beschreibt. Häufig unterschätzt werden die Folgekosten wachsender Datenbanken. Planen Sie Archivierung deshalb von Anfang an mit und rechnen Sie über die gesamte Nutzungsdauer, nicht nur über das Einführungsjahr.
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Quellen
- Bitkom e.V.: Industrie 4.0. Wie digital ist Deutschlands Industrie? Studienbericht 2026, n=555, DOI 10.64022/2026-industrie-4.0: https://www.bitkom.org/sites/main/files/2026-07/09072026-bitkom-studienbericht-industrie-40-2026_0.pdf
- VDI 5600 Blatt 1:2016-10 Fertigungsmanagementsysteme (Manufacturing Execution Systems, MES), Inhaltsverzeichnis: https://www.din.de/de/wdc-beuth:din21:251310997/toc-2436698/download
- ISA 95 / IEC 62264: Ebenenmodell und Teil 3 Manufacturing Operations Management, Siemens Digital Industries Software: https://www.sw.siemens.com/en-US/technology/isa-95-framework-layers/
- United Manufacturing Hub: Automatisierungspyramide und Zeithorizonte je Ebene: https://learn.umh.app/know/operational-technology/automation-pyramid
- Produktion: So dokumentiert Daimler die Fertigungs-Qualität: https://www.produktion.de/technik/so-dokumentiert-daimler-die-fertigungsqualitaet/1720065
- IATF 16949 Abschnitt 8.5.2.1 Identification and traceability, supplemental: Anforderungen a bis f, wiedergegeben im Elsmar Quality Forum: https://elsmar.com/elsmarqualityforum/threads/iatf-8-5-2-1-identification-and-traceability.92260/
- MaintainX Learning Center: What Is ISA-95? Teile 1 bis 7 des Standards, Teil 5 zum Austausch zwischen Level 3 und Level 4: https://getmaintainx.com/learning-center/what-is-isa-95
- OPC Foundation: OPC UA als Standard IEC 62541 für den Datenaustausch vom Sensor bis zur Cloud: https://opcfoundation.org/about/organizations/view/1/
- Fraunhofer Publica: Kosten und Nutzen bei der Einführung einer MES Lösung: https://publica.fraunhofer.de/entities/publication/9ca84468-5c38-4e58-8646-89696bb1f9c4
- CSP Intelligence GmbH: Manufacturing OS, Produktseite mit Stadler Rail Ergebnissen: https://www.csp-sw.de/en/csp-manufacturing-os
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